03.03.2022 Update -  Zum Tag der Artenvielfalt möchten wir mit einem Beitrag von Beate Kahleis zum Baurecht für nicht gewerbliche oder extensive, pferdegerechte Pferdehaltungen für die Artenvielfalt. Motto: "Ökologische Pferdehaltung ist Landschaftspflege."

14.03.2018 - Beate Kahleis hat in 40 Jahren sehr viel über Pferdehaltung und Zucht gelernt. Zusammen mit ihrem ornithologisch- und naturkundlich bewanderten Mann hat sie in den letzten 18 Jahren ein artenreiches pferdegerechtes Biotop geschaffen. Sie setzt sich dafür ein, dass Pferdehalter auch das Recht haben zum Tierwohl bauliche Maßnahmen auszuführen.

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Kahleis 6Früher:
Früher gab es noch artenreiche Wiesen.
Das erste Heu wurde bis zum „Johannitag“ geerntet (23. Juni). Wichtig war, dass die Gräser und Kräuter Saatgut angesetzt hatten, das sich durch die Heuernte (häufiges wenden zum trocknen) wieder verteilte. Der zweite Schnitt wurde im Spätsommer gemacht oder es wurden Tiere zur Beweidung auf die Flächen getrieben. Gedüngt wurde in der Regel nicht.

Heute:
„Heute werden Dauergrünlandflächen zum Teil mit 300 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr (vor allem mit Gülle) gedüngt und 4-6 Mal pro Jahr geschnitten und abgeräumt. Durch das „abräumen des Grünschnittes“ wird der viele Dünger angeblich wieder entnommen. Ein Maisacker verträgt nur ca. ein Drittel dieser Stickstoffmengen. Deshalb ist Dauergrünland bei viel Güllevorkommen ideal.“ So begründet ein befreundeter Landwirt seine Düngepraxis auf
Dauergrünlandflächen.
Mit dem Gras dieser Grünlandflächen würden wir unsere Pferde umbringen.
Deshalb müssen wir Pferdehalter für unsere Steppentiere Heu füttern, das wieder produziert wurde „Wie Früher“. „Lass Deine Nahrung Deine Medizin sein."
Dies Sprichwort können wir in der Pferdehaltung gut anwenden.
Auf unseren Wiesen, die nicht mit Dünger und Pestiziden behandelt werden, können viele Kräuter wachsen, die die Pferde instinktiv fressen, weil sie gerade einen Bedarf im Körper abdecken.
Vor allem im Winter fressen die Pferde Kräuter/Unkräuter, die sie im Sommer nicht mögen.
Die Methode, die Wiesen ganzjährig umweltschonend mit Pferden zu bewirtschaften, mit einem veränderten Weide-Management spart zudem sehr viel Zeit und Arbeit.

Die Situation:
Der natürliche Artenreichtum ist in Gefahr.
Die Rote Liste NRW und der FFH-Bericht für NRW machen deutlich, dass dem Artenverlust engagiert entgegengesteuert werden muss. (FFH bedeutet: Fauna-Flora-Habitat gemäß der gleichnamigen EU Richtlinie)

Beweidungsprojekt Senner Pferde:
Die Erfahrungen zum Einfluss des Beweidungsprojektes der biologischen Station Paderborn/Senne mit Senner Pferden haben bewiesen, dass die selektive Beweidung durch die Pferde ein Mosaik aus kurz gefressenen Bereichen und Weideresten erzeugt, was dazu führt, dass in den Bereichen im
Umfeld der Pferde die Artenvielfalt stark zugenommen hat.
Das Projekt „Senner Pferde zur Förderung der Biodiversität in der Senne“ der Biologischen Station wurde am 25. September 2015 als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt gewürdigt.
Weitere Infos hier

Worum geht es ? - Was ist das Ziel ? - Was können Pferdehalter leisten ?
Pferdehalter können im Bereich Ihres Umfeldes viel für den Umweltschutz, auch zur Rettung der Insekten, Vögel und Pflanzen-Vielfalt tun.
Zunächst sollte der Pferdehalter ein Konzept erstellen mit einem Maßnahmenkatalog, der dann nach und nach umgesetzt wird.
Grundsätzlich gilt: Was die Pferde fressen, entscheiden sie selbst.
Der Instinkt regelt die Bedürfnisse.

Umweltschonendes Weidemanagement und artgerechte Pferdehaltung könnte wie folgt aussehen:

  • Verzicht auf Heuernte: dadurch ist ein ganzjähriger Weidegang möglichKahleis 6
  • Der Zukauf von Pferde-geeignetem Heu von pestizidfreien, möglichst ungedüngten Flächen fördert die Biodiversität an anderer Stelle z.B. vom Bioland-Betrieb Pferde ganzjährig täglich auf die Weide
  • Weidedauer 2 Std. (Winter) bis 6 Std. (Sommer), ansonsten Stall mit gr. Paddock, Trail und Bewegung mit Menschen. Pferde müssen ständig in Bewegung sein.
  • Kräuter/Gräser in den Ecken und an Kotstellen stehen lassen bis in den Winter (Pferde-Apotheke) ggfls. im Februar/März abmähen, Grünschnitt absammeln, walzen.
  • Hahnenfuß, Klee und Sauerampfer durch mehrmaliges mähen mit absammeln verdrängen (z.B. mit einem alten Rasenmäher)
  • Jakobskreuzkraut, invasive Arten und giftige Pflanzen ausgraben, Bodenaustausch, dort und Nachsaat
  • Kein abmisten der Pferdeäpfel auf den Wiesen, damit Insekten und Vögel Nahrung finden
  • Wiesengrößen so einteilen, dass mind. 50 m lange Kantenlänge auf einer Seite besteht
  • Pferde in verträglichen Kleingruppen auf die Wiese mit ständigem Zugang zum Stall (Trail) - dort finden sie Schutz vor Bremsen, Wasser, zusätzliches Heu usw.
  • Maulwurfhaufen Anfang/Mitte März abschleppen, dort nachsähen mit fruktanarmen Gräsern und pferdefreundlichen Kräutern. Danach anwalzen.
  • Alle Maßnahmen (mähen, walzen, abschleppen usw.) alternierend: das heißt, nie alles auf einmal, maximal 30 % der Gesamt-Wiesenflächen pro Maßnahme
  • Mindestens 3000 qm Weidenfläche pro Pferd
  • Rahmenpflanzung um die gesamte Pferdehaltung zur Einfügung in das Landschaftsbild, aus geschnittenen Hecken (z.B. Hainbuchen, Rotbuchen) und Landschafts-Schutzhecken aus ungiftigen Gehölzen
  • Bäume als Bauminseln, Einzelbäume, Kopfweiden-Reihen usw.
  • Öffnung der Entwässerung zur Gestaltung von wechselfeuchten Bereichen
  • Ortstypische Topografie auf den Wiesen schaffen mit sanften Hügeln und Mulden in denen Wasser stehen bleibt, als Spielanreiz für die Pferde und zur
    Anlage verschiedener Bereiche (trocken, feucht)
  • Nisthilfen anbringen für Fledermäuse, Bienen, Vögel usw.
  • Blumenwiesen für Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und Co. anlegen
  • Teichanlage mit Dauerwasser für Amphibien, Vogeltränke und –Badestelle, sowie als Training für die Pferde

Durch diese Maßnahmen entstehen naturnah umgestaltete Wiesen und neue Lebensräume für Insekten, Vögel und Pflanzen, zum Vorteil der Pferde-Gesundheit, sowie zur gestalterischen Aufwertung des Umfeldes mit Wohlfühl-Effekt.
Erstaunlich ist, dass aus vorher biologisch toten Flächen/Pflanzungen vielfältige, lebendige Naturbereiche werden.
Nicht selten wird eine Populationssteigerung von mehr als 100 % erreicht.

Positive Effekte für die Pferdehalter:

  • Gesündere ausgeglichene Pferde
  • gleichmäßigeres Wachstum bei den Nachwuchspferden
  • Grünräume mit mehr Aufenthaltsqualität für Mensch und Tier
  • Naturbeobachtungen und –Erlebnisse, sowie Vorbildfunktion für andere mit Nachahmer-Effekt (hoffentlich )
  • Positives Image der Pferdehaltung „grüne Visitenkarte“
  • Naturnah gestaltete Flächen sparen Arbeitszeit und Geld
  • Feuchtlebensräume puffern Starkregen-Ereignisse und sind Rückzugsräume für wassergebundene Arten. Zudem werden die Pferde auf natürliche Art und Weise an Pfützen/Wasserflächen gewöhnt
  • Verbund-Bildung mit anderen Flächen in der Nachbarschaft, die auch ökologisch aufgewertet werden
  • Es ist geplant, die Pferdehaltungen, die Artenvielfalt leben, mit einem Siegel auszuzeichnen. (Ähnlich dem Flustix-Siegel in England gegen Plastikmüll)

Der Umsetzungsprozess zur Biodiversität der Pferdehaltungen dauert einige Jahre. Aber aus Erfahrung können wir sagen: „ Es lohnt sich!“

Mich interessieren Eure Ideen und Meinungen zu diesem Thema:
Beate Kahleis Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Tel.: +49(0)5209-980 840

Quellen:

https://www.bs-paderborn-senne.de/projekte/beweidung/senner-pferde/das-wildbahnprojekt.html

https://ffh-bericht-2019.naturschutzinformationen.nrw.de

https://brandenburg.nabu.de/natur-und-landschaft/nabu-aktivitaeten/ffh-umweltsensibilisierung/dokumentation/23807.html

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