Die atypische Weidemyopathie ist eine Muskelkrankheit, mit meist tödlichem Verlauf. Seit dem 15.09.2020 wurden der Uni Lüttich wieder 68 Fälle atypischer Myopathie gemeldet. Die toxische Aminosäure Hypoglycin A (HGA), kommt im Samen von einigen Ahornarten in gefährlicher Höhe vor. Das Gift verursacht das Muskelleiden. HGA wird im Samen nicht abgebaut, auch Frost hat keinen Einfluss auf die Konzentration, demnach findet man in den Setzlingen im Frühjahr vor allem in den Keimblättern enorm hohe HGA Konzentrationen (daher Todesfälle im Frühjahr!).

2010 haben ehrenamtlich arbeitende Biologen der VFD die Theorie aufgestellt, dass Ahorn die Ursache für die mysteriöse Weidemyopathie ist. Amerikanische Wissenschaftler hatten bereits 2012 einen Giftstoff - kurz HGA- in Samen des Eschen-Ahorns nachgewiesen. Eine im Herbst 2015 veröffentlichte Studie bestätigte das noch einmal. Besonders giftig ist der bei uns noch seltene Eschenahorn, der in den USA jedoch für die meisten Fälle verantwortlich gemacht wird. Verursacher bei uns ist fast immer der Bergahorn.

  Berg und EschenahornAbbildung 1: Auslöser der Krankheit sind die Samen und Keimlinge des weit verbreiteten Bergahorns (rechts, Blatt fünf lappig) und in den Samen des Eschenahorns (links, zwei bis drei lappig) nachgewiesen. (Vgl. https://studylibde.com/doc/5617813/eschen-ahorn---korina.info)

Vor allem im Frühjahr und im Herbst ist Vorsicht geboten, da der Auslöser der Krankheit die Samen und Keimlinge des Bergahorn und Eschen-Ahorn sind. Im Herbst 2020 sind die Samen des Ahorn in Massen gefallen und bergen so ein Vergiftungsrisiko für unsere weidenden Vierbeiner. 

 
Verbreitung Europa atypische WeidemyopathieAbbildung 2: Verbreitung der Fälle atypischer Weidemyopathie, die von Herbst 2006 bis November 2019 an die Seuchenüberwachungsnetzwerke gemeldet wurden (https://www.mdpi.com/2076-2615/10/2/365)

Da es immer noch keine Heilung für Atypische Weidemyopathie gibt, bleibt die Vorbeugung der Schlüssel! Helfen Sie uns, diese Gefahrenmeldung mit unter die Leute zu bringen? Denn wie heißt es so schön: Es dauert 10 Jahre, bis Neues in Wissenschaftskreisen bekannt ist – noch einmal 10, bis es beim Laien landet. So lange dürfen wir, den Pferden zuliebe, nicht warten!  

Bleiben Sie daher wachsam, wenn Sie auf Ihrer Weide viel Ahorn finden. Auch zum jetzigen Zeitpunkt trägt der Bergahorn auf der winterlichen Weide noch viele Samen. Die Universität Lüttich empfiehlt daher, soweit wie möglich:

  • Den Zugang zu Weiden mit Bergahorn-Samen zu vermeiden (oder die Weide abzuzäumen, um Zonen zu vermeiden, in denen Samen in großer Zahl vorhanden sind)
  • Bei zeitlich begrenztem Weidegang, füttern Sie die Tiere, bevor Sie sie auf die Weide lassen. 
  • Geben Sie den Pferden auf der Weide Futterergänzungen (Heu + Mineralfutter)
  • Stellen Sie einen Salzstein zur Verfügung (idealerweise angereichert mit Vitaminen und / oder Mineralien)
  • Bitte auf die Wasserbehälter achten; es besteht der Verdacht das sich das HGA aus den Samen ins Wasser löst
  • Auch im Futter (Heu o.ä.) auf den Boden könnten Samen sein

Es wird dringend gebeten alle Fälle der Atypischen Weidemyopathie zu melden. DANKE im Voraus:

als Besitzer, via folgendem Link

als Tierarzt, via folgendem Link

Informationen zur Krankheit gibt es im VFDnet unter https://www.vfdnet.de/index.php/ak-umwelt/gesundheit/11045-atypische-myopathie-2020 und unter https://vfdnet.de/index.php/rheinland-pfalz/5085-ahorn-als-ursache-fuer-die atypische-myopathie

Sowie Bestimmungshilfe zu Berg- und Eschenahorn auf eurer Pferdeweise:
https://www.baumkunde.de/Acer_negundo/
https://www.baumkunde.de/Acer_pseudoplatanus/

Um weitere praktische Informationen zu erhalten, empfiehlt es sich außerdem folgende Website zu besuchen: https://doi.org/10.3390/ani10020365

Nochmals wird allen Tierärzten und Besitzern der betroffenen Pferde für die Zusammenarbeit gedankt. Ohne Ihre Hilfe würde dieses Paper nicht existieren.

Quellen:

2020/12/18: Alerte: pdf2020_12_18_Alerte.pdf225.45 kB

http://labos.ulg.ac.be/myopathie-atypique/de/das-krankheit-2/?fbclid=IwAR06

https://orbi.uliege.be/handle/2268/245399

Abbildung 1: Vgl. https://studylibde.com/doc/5617813/eschen-ahorn---korina.info

Abbildung 2: MDPI.COM 

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