Zum ersten Mal verleiht die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. (VFD) in diesem Jahr den „Eisernen Gustav“, einen Preis zur Förderung der Reisekultur zu Pferde. Die VFD vergibt diesen Preis gemeinsam mit dem Fachmagazin „Der Kutschbock“. In der Kategorie „Wanderfahren“ ging er 2019 an das Team der „Titanen on tour“ für ihre Friedensfahrt nach Russland. In der Kategorie „Wanderreiten“ werden zwei namhafte Autoren ausgezeichnet, Jean-Louis Gouraud und Stefan Schomann.

Namenspatron des Preises ist Gustav Hartmann, der in den zwanziger Jahren als „Eiserner Gustav“ Berühmtheit erlangte. Als einer der letzten Kutscher von Berlin, machte er sich in fortgeschrittenem Alter unter großer Anteilnahme der deutschen, wie der französischen Öffentlichkeit noch auf zu einer Droschkenfahrt nach Paris. Damit wollte er die verfeindeten Nationen einander wieder näherbringen und zugleich einen „Rekord der Langsamkeit“ aufstellen. Postkarte

Mit dem „Eisernen Gustav“ möchten die VFD und „Der Kutschbock“ Pferdefreunde auszeichnen, die mit ihren Unternehmungen den Zauber des Reisens beschwören, alte Wege neu entdecken, die Bindung zwischen Mensch, Tier und Natur stärken und dazu beitragen, das Pferd und die verschiedenen Reit- und Fahrweisen, die sich in aller Welt entwickelt haben, als ein Kulturgut zu würdigen.

Kaltes Blut und heiße Herzen
In der Kategorie „Wanderfahren“ ging der Preis an das Team der „Titanen on tour“. Im Sommer 2018 absolvierten sie mit sechs Planwagen, einem Bäckerwagen und einem Kremser einen 2300 Kilometer langen Treck auf dem historischen Hellweg vom brandenburgischen Brück bis ins russische Weliki Nowgorod. Ein imposantes Unterfangen, gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten, bei dem der Kaltblutzucht- und Sportverein der Gebrüder Haseloff in Brück die treibende Kraft war. Angefangen mit dem ersten Teil der Fernfahrt vom flämischen Brügge bis nach Brück, den sie vor zehn Jahren absolvierten, haben sie mehrfach große Touren in völkerverbindendem Geist unternommen und dabei fast vergessene kulturelle und geschichtliche Bezüge wieder bewusst gemacht. Ein charmantes Fotobuch dokumentiert die mannigfaltigen Begebenheiten ihrer jüngsten Reise, die von einem starken Teamgeist getragen war. Selbst erhebliche Schwierigkeiten mit Logistik, Finanzierung und Bürokratie konnten sie von ihrem Traum nicht abhalten.

Mit dieser Auszeichnung möchten "Der Kutschbock" und die VFD nicht nur dem Team der „Titanen on tour“, sondern den Pferdefreunden überhaupt Mut machen, die klassische Reisekultur mit Pferden wiederaufleben zu lassen. Der Preis wurde am 29. Juni von Elke Schulze, Chefredakteurin des „Kutschbocks“ gemeinsam mit Josef Schrallhammer als Vertreter der VFD, auf dem Kaltblut-Turnier der „Titanen der Rennbahn“ in Brück überreicht. weiter lesen hier

Vom Reiten und vom Schreiben
In der Kategorie „Wanderreiten“ geht der Preis an Jean-Louis Gouraud und Stefan Schomann. Als Publizist hat Gouraud der Welt der Pferde zahlreiche Bücher und zahllose Artikel gewidmet; auch als Verlagsleiter hat er sich unermüdlich für dieses faszinierende Thema eingesetzt. So ist er in Frankreich zu einer geistig-moralischen Instanz geworden, die für eine verantwortungsvolle und auch geschichtsbewusste Beziehung zwischen Mensch und Tier einsteht. Zugleich Individualist und Reitersmann alter Schule, sucht er auf seinen Ritten immer die Verständigung, sei es mit Passanten am Wegesrand, sei es mit politischen Entscheidern. Schon sein bravouröser Ritt von Paris nach Moskau, den er unmittelbar nach Ende des Kalten Krieges unternahm, war von solch humanistischem Geist getragen. Mit dem „Eisernen Gustav“ ehren "Der Kutschbock" und die VFD einen großen Schriftsteller und einen großen Reisenden für sein Lebenswerk. bessere Welt

Stefan Schomann nimmt mit seinem Buch „Das Glück auf Erden“ seine Leser mit auf eine Welt- und Zeitreise zu Pferd. Seine feinsinnigen Berichte zeichnen sich durch fundiertes Wissen, Naturschilderungen und einen packenden Erzählton aus. Neugierig und unbefangen nähert er sich der Welt des Reitens und hält ihr trotz mancher Schwierigkeiten die Treue. Er würdigt nicht nur die Leistungen des Pferdes als Reit-, Trag- und Zugtier, sondern spürt auch seiner mythischen, seelischen und gesellschaftlichen Bedeutung in den verschiedensten Kulturen und Epochen nach.

Dank einer glücklichen Fügung lebt der eine Schriftsteller in Paris, der andere in Berlin. Damit erinnern sie an das Gespann von Rachel Dorange und Gustav Hartmann, die, sie mit ihrem Ritt und er mit seiner Fahrt, einst dazu beigetragen haben, die zivilisatorischen Verdienste des Pferdes herauszustellen und politische Grenzen zu überwinden. Der Preis wird am 14. Juli im Rahmen des CHIO in Aachen um 16 Uhr im Pavillon des Gastlandes Frankreich überreicht. Die Verleihung übernimmt Hanno Pilartz, Vizepräsident der Bundes-VFD, gemeinsam mit dem Initiator des Preises Josef Schrallhammer.

Als Vertreter des VFD-Landesverbandes NRW ist Helmut Klebach beteiligt, der bei dieser Gelegenheit die Route D’Artagnan vorstellen wird, eine internationale Wanderroute auch für Reiter auf den Spuren des berühmten Musketiers.

Mit Pferden auf dem Weg in eine bessere Welt
Der „Eiserne Gustav“ soll mindestens bis ins Jahr 2028 vergeben werden; dann jährt sich Hartmanns Fahrt zum hundertsten Mal. Wir hoffen, die Pferdewelt mit diesen Preis ein wenig inspirieren und anspornen zu können. Er ist der Kultur des Reisens zu Pferd gewidmet, und wir sehen ihn auch selbst als den Beginn einer Reise an. In zehn Jahren werden wir sehen, ob unsere Initiative „Mit Pferden auf dem Weg in eine bessere Welt“ Früchte getragen hat.bessere Welt

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