Pause vfdnet.pgNoch bevor das Rad erfunden und noch viel früher als dass ein Pferd gesattelt wurde, war für die Nomaden das Tragen von Lasten ein Job für ihre Tiere. Egal ob Rind, Dromedar, Kamel, Esel oder Pferd, wenn die Quartiere gewechselt wurden, dann bediente man sich der friedfertigsten Herdentiere. Die Ausbildung dieser Tiere oblag übrigens den Frauen!

Jahrtausende später, als der Handel begann, wurden Tragtiere gezielt eingesetzt, um den Warenfluss auf den Kontinenten zu ermöglichen. Spezielle Rassen wurden gezüchtet und die trittsichersten und genügsamsten Tragtiere selektiert. Die Säumerei war geboren, übrigens ist der Name abgeleitet aus dem Namen „Saum“, das althochdeutsch Traglast oder auch Tragtier bedeutet. Die Säumerei war bis in das 18. Jhd. ein eigenständiges Gewerbe in den Alpenländern, das den Warentransport von Tal zu Tal regelte. Mit dem Beginn der Schienenverbindungen in den Alpen erlebte die Säumerei noch einmal eine zuvor nie da gewesene Blüte, um dann eben von dem Gütertransport der Eisenbahn in ein lokales Abseits gedrängt zu werden. Saumtiere wurden dann eigentlich nur noch für die Almversorgungen genutzt, bzw. vom Militär.

Berg hoch ziehen vfdnetDie Tragtierkompanie der Bundeswehr darf man nun getrost als die letzten Profisäumer in Deutschland betiteln. Nicht von ungefähr wird die Ausbildungskompanie der BW mit ihren Haflingern und Muli´s noch unterhalten, denn die internationalen Einsätze der UN bedürfen vielerorts noch Tragtiere zur Versorgung der Blauhelme.
 
Aber auch zivile Nutzungen der Tragtiere sind heute noch global notwendig, denn Helikopter können sich auf Grund der enormen Kosten eigentlich nur die Industrienationen leisten. Erfreulicherweise werden in vielen Nationalparks die Hubschrauberflüge mittlerweile wegen Lärmbelästigung untersagt. Eine Chance für professionelle Säumerei? In Nordamerika durchaus!

Säumertreffen 015 vfdnetjpgAber bleiben wir mal bei uns Freizeit-Reitern. Warum stoßen wir immer mehr auf Interessenten der Säumerei, oder anders formuliert, auf so viele Wanderer mit Begleittieren? Liegt es daran, das (ehem.) Wanderreiter und -Fahrer den Sattel mit Wanderschuhen tauschen, aber ihre Equiden nicht alleine lassen wollen, oder daran, das wir noch intensiver die tiefe Verbundenheit zwischen Mensch, Tier und Natur erleben wollen, die uns das Wandern auf Augenhöhe mit unseren Tragtieren ermöglicht? Als Wanderreiterenthusiast, der vor fast 30 Jahren zu den Tragtieren gestoßen ist und mittlerweile neben seinem Reitpferd auch 3 Mulis sein eigen nennt, kenne ich keine intensivere Begegnung mit den Tieren, als auf Augenhöhe und 24 Stunden am Tag mit ihnen in freier Natur zu verbringen. Das ich dann auch noch auf alten, fast vergessenen Säumerpfaden unterwegs sein kann, das vertieft das Ganze zu einem jeweils unvergleichlichen Erlebnis.

Was liegt eigentlich näher, als dass sich die VFD dieses Themas angenommen hat. Wir, als größte deutschsprachige Vereinigung der Wanderreiter und –fahrer, die klar der Prämisse folgen, das Ausbildung von Mensch und Tier praktizierter Tierschutz ist, wollen und können uns eben dieser Herausforderung stellen, denn wir haben sowohl das manpower, als auch den langen Atem, unsere Themen zu setzen und zu verfolgen. Egal ob wir über die Trekking Muli September 2010 017VFDnetAlpenpässe wandern, im Mittelgebirge den alten Saumpfaden folgen, oder über das weite Land ziehen, wir wissen, das jeder Fehler, der uns dabei passiert in erster Linie unsere Tiere auszubaden haben.

 

 

Die VFD hat in ihre Ausbildungsrichtlinien das Säumen mit aufgenommen und bietet allen interessierten Mitgliedern und Freunden an, das umfangreiche Wissen um das Säumen zu erlernen. Ziel dieser Ausbildungen nach FARPO sind:

Säumen I:

„Nachweis der erforderlichen theoretischen Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten zum eigenverantwortlichen Wandern mit Packtieren“

Säumen II:

„Nachweis der erforderlichen theoretischen Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten zum  Führen von Wandergruppen mit Packtieren“

Rittführer, Übungsleiter und Prüfer, die bisher an den entsprechenden Ausbildungen der Säumer-Akademie erfolgreich teilgenommen haben, können sich die Ausbildung anerkennen lassen und nach Ablegen einer Prüfung nach FARPO diese entsprechenden erworbenen Zusatzqualifikationen führen, lehren und prüfen.

VFD-Säumerkurse werden 2018 angeboten:

Sachsen: Säumen I, 21. – 22. April, in Nechern,
Ansprechpartner: Ralf Wulke, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Nordrhein-Westfalen: Säumen I, 20.- 22. Juli, in Leverkusen-Wiehbachtal,
Ansprechpartner: Sylvia Rogmann, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bayern: Säumen I, 06. - 08.April, Markt Biberbach,
               Säumen II; 01. - 03. Juni, Schönsee
               Ausbildung von Tragtieren, 16. – 17. Juni, Markt Biberbach
Ansprechpartner, Bjørn Rau, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bjørn Rau

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