Karp, Dr. Hans Peter: Das ansprechend bebilderte Buch erhebt schon durch sein umfangreiches Inhaltsverzeichnis einen hohen Anspruch. Es will dem Laien und Haltern aller Pferderassen eine Hilfe sein, verständlich und zugleich auf neuem Forschungsstand. In Bezug auf die vielen Irrmeinungen und Vorurteile zu Eiweißen und Kohlenhydraten im Futter, speziell bei den Getreiden, ist dies durchaus gelungen. Zur überlegten Dosierung von Zusatzstoffen wird aus gegebenem Anlaß manches gute gesagt. Überhaupt ist die Darstellung der Futtermittel und der durch Fütterung bedingten Erkrankungen sehr brauchbar. Viele Tabellen mit Rationsbeispielen zu verschiedensten Situationen geben praktische Hilfen. Leider sind die Tabellen in keiner Übersicht nachschlagbar und tauchen teilweise sehr unvermutet im Text auf. Zitierte Autoren der Tabellen sind im Literaturverzeichnis nicht immer auffindbar. Praktische Tips werden am Rande geboten. Die Herkunft des Autors wird im Text nicht nur anhand der Vermittlung guter fachlicher Praxis sichtbar, sondern auch, wenn von Reitpferden geschrieben wird und Sportpferde im Warmbluttyp gemeint sind. Wenn ständig vom (deutschen) „Weidegras“ die Rede ist, aber nicht Gras sondern zumeist Deutsches Weidelgras gemeint ist, hat das Lektorat hier vermutlich etwas großzügig die Rechtschreibkorrektur durchgeführt. Wer erfahren in der Fütterung von leichtfuttrigen Robustpferden ist, wird sich über die Rationen für diese Pferde wundern, ist doch der Nicht-Stroh-Rauhfutteranteil erstaunlich niedrig und der Getreideanteil auch in der Erhaltung sehr gut gemeint. Wer Verdauungstypen aufschürzt, muß jedoch mit Verhaltensstörungen oder körperlichen Problemen rechnen. Aus ökologischer Sicht völlig verfehlt ist die sehr einseitige und parteiische Darstellung der Weidehaltung. Die mit erhobenem Zeigefinger drohende Aufforderung, die Grasnarbe zu schonen, Intensivbewirtschaftung mit Zuchtgräsern durchzuführen und nur Weidelgräser in der Nachsaat zu verwenden (aus Kostengründen) spricht für sich. Ein Vergleich einer hiesigen Grasnarbe mit der überwiegend krautreichen Vegetation in der Mongolichen Steppe (Todesstrafe bei mutwilliger Verletzung der „Grasnarbe“ dort in der Vergangenheit laut Autor) hinkt schon allein durch Unterschiede in der „Bewirtschaftung“, dem Klima und der Vegetation. Kein Pferdehalter braucht sich hier ein schlechtes Gewissen reden zu lassen. Die 100000 Unkrautsamen, die in manchem Quadratmeter Boden schlummern, und vor denen der Autor eindringlich warnt, lassen den Ökologen ruhig schlafen, ist das Auflaufen dieser Samenbank und ihre Entwicklung doch von vielen Faktoren abhängig, die selten alle zusammen treffen. Diese Form der Verunsicherung von Lesern ist unsachlich. In sofern wird auch die ablehnende Haltung des Autors gegenüber früher üblichen Wildgestüten verständlich. Schade.

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