Im Rahmen unseres VFD-Treff Themenabends war Susanne Probst, promovierte Kunsthistorikerin mit einem Fabel für Pferde, bei uns zu Gast. Sie ist spezialisiert in Militärgeschichte und hielt einen sehr interessanten Vortrag für uns im katholischen Pfarrheim in Wachtberg-Villip.

Der Einsatz und das grausame Gemetzel von 12 Millionen Pferden im Ersten Weltkrieg

Forschungen zum Thema Pferde im 1.Weltkrieg fanden lange Zeit wenig Beachtung. Dies änderte sich 2004, als in London, unter der Schirmherrschaft von Prinzessin Anne, ein allen und in allen Kriegen gefallenen Tieren gewidmetes Denkmal eingeweiht wurde.

Auch der Kinoerfolg War Horse (2011), des amerikanischen Regisseurs Steven Spielberg, hat dazu beigetragen, das Interesse von Historikern, Veterinären und Ethologen für die Lebensbedingungen der Pferde in der Zeit von 1914 bis 1918 zu wecken. Zu Beginn des 1. Weltkriegs glaubten Kriegsbefürworter, trotz der technologischen Entwicklung, noch an eine strategische Bedeutung der klassischen Kavallerie. Die meisten Offiziere entstammten dem konservativen Adel und es galt für sie als Ehrensache, den Feind im Sattel zu bekämpfen. Doch schon nach den ersten schweren Verlusten besonders in der Kavallerie, erkannte man, dass patriotischer Enthusiasmus modernen Maschinengewehren und Artillerie wenig entgegen setzen konnte. Der Krieg wandelte sich, insbesondere an der Westfront, zu einem Stellungskrieg, bei dem, in Schützengräben wochenlang den Angriffen ausgeharrt wurde.

Pferde und Maultiere waren dennoch notwendig, um die Mobilität zu gewährleisten. Denn die meisten Gebiete waren durch die Kriegseinwirkungen und die schlechten Wetterverhältnisse für motorisierte Fahrzeuge unpassierbar. Hinzu kam die Benzinknappheit durch das Embargo der Alliierten.

Schon während des Krieges berichteten viele Menschen über die schlechten Bedingungen, denen die Tiere ausgesetzt waren. Kriegstagebücher von einfachen Soldaten bis hin zu hohen Offizieren beschrieben das Leiden der Pferde. Auch Künstler und Schriftsteller dokumentierten in ihren Werken die Grausamkeiten, denen Tiere zum Opfer fielen. Maler wie Max Liebermann oder Otto Dix stellten in ihren Bildern gefallene oder verwundete Pferde mit zerrissenen Leibern dar. Der Schriftsteller Erich Maria Remarque schildert in seinem biographischen Hauptwerk Im Westen nichts Neues, nicht nur die Schrecken des Krieges für die Soldaten sondern auch die der Tiere. Sein von Hitler 1933 verbrannter „Antikriegsroman“ von 1929 gilt als einer der wichtigsten Quellen.

Schätzungsweise liegt die Zahl der toten Pferde und Maultiere bei circa 12 Millionen. Während der Offensive lag die Lebenserwartung eines Pferdes bei höchstens 10 Tagen. In den großen Schlachten bei Verdun, Lille oder an der Somme starben über 800 Equiden in weniger als einer Stunde.

Das Ende des Krieges bedeutete für die Tiere nicht das Ende ihres Leidens. Die meisten der überlebten Pferde wurden direkt an Ort an die Schlachter verkauft. Carl Krämer, Vorsitzender des Tierschutzvereins Berlin, setzte sich 1916 für die Gleichstellung im Krieg verwundeter Pferde und Soldaten ein.  Sein Vorschlag, die Schaffung eines nationalen Tierschutzgesetzes, wurde 1933 umgesetzt.Die Nationalsozialisten missbrauchten das Thema „Tierschutz“ für ihre Propagandazwecke. Dies hielt Hitler jedoch nicht davon ab, von 1938 bis 1945 fast doppelt so viele Tiere wie im 1. Weltkrieg zu opfern.

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