3.000 km durch Europa - Nachhaltiger und sanfter Ökotourismus

Ein Reise zu Pferd quer durch Europa im 21Jh. ist ungewöhnlich; vor 150 Jahren war es normal, und bis vor 70 Jahren gehörten die Pferde ins Alltagsbild. In dieser kurzen Zeit wurde das Pferd aus unserem Straßenbild fast vollkommen entfernt. In einigen Ländern in Südeuropa sieht man noch Pferdegespanne im Alltag oder in der Landwirtschaft, aber auch hier verschwinden die Pferde immer mehr. So gerät ein Kulturgut in Vergessenheit und wird meist nur noch als Sportgerät auf Turnieren oder als touristische Attraktion in den Städten für die Öffentlichkeit sichtbar. Dabei gibt es eine immer weiter wachsende Szene an Pferdefreunden, welche die sanfte und ökologische Art des Reisens für sich entdecken: Die Wanderreiter und -fahrer. Einen oder auch mehr Tage unterwegs in der Natur geniessen, erkunden, besuchen und erfreuen diese Teams aus Pferd und Mensch alleine oder in kleinen Gruppen die jeweilige Region. Hohes Tempo oder eine weite Strecke sind nicht das Ziel, sondern der Genuss der Landschaft steht vorne an.

Im diesem Sinne folgte eine Gruppe von Reitern dieser Tradition auf ihrem Ritt von Athen nach Kassel im Rahmen der documenta14. Hierbei warben sie für die Rekener Charta – einer Selbstverpflichtung und Forderung für die Erhaltung, Pflege und besondere Wertschätzung der Pferde und für das Grundrecht von Mensch und Pferd auf einen freien Zugang zur Natur. 

Das Wanderreiten bietet in einmaliger Weise, die Möglichkeit die Natur zu erleben, Land und Leute kennen zu lernen, in einer in dieser Region noch weitgehend intakter und abwechslungsreicher Natur. Gerade in den noch nicht vom Massentourismus erschlossenen Gegenden Griechenlands und des Balkans besteht ein Bedarf für nachhaltigen Tourismus der die intakten Landschaften und das vielfältige Angebot aus bäuerlicher Gastfreundschaft fördern kann. Das Wanderreiten bietet generell eine Möglichkeit der sanften Fortbewegung durch eine Region, gestützt auf die weitläufige bestehende Infrastruktur der Region. Anders als bei anderen Tourismusformen sind hier keine zusätzlichen Wegeinfrastrukturen notwendig.

Der Athen-Kassel Ritt führte vom 09. April 2017 über mehr als 3000 km durch sieben Länder. Die Reise ist inspiriert von dem historischen Ritt des Schweizer Lehrers Aime Felix Tschiffely (1895-1954), der im Jahre 1925 mit zwei Criollo-Pferden eine Reise von Buenos Aires nach Washington antrat. Nach drei Jahren hatte er die Kilometer zurückgelegt und war zu einem Volkshelden in Argentinien geworden. Tschiffelys Reise gilt als erster weiter Wanderritt der Geschichte. Der Athen-Kassel Ritt, der als Kunstprojekt im Rahmen der documenta 14 ausgerichtet wird, folgt der Philosophie der Rekener Charta, die sich für ein freies und verantwortungsvolles Reiten und Fahren in der Natur ausspricht. Das Team für den Athen-Kassel Ritt bestand aus fünf Pferden: Kabadiner Artvin, Karabache Kul, Criollo Calfino Sancho, Arravani Hermes und Haflinger Pacco sowie ihren Reitern Peter van der Gugten, Zsolt Szabo Boche und David Wewetzer. Die Reise führte vom Hinterland Thrakomakedones über Höhenzüge durch Griechenland nach Norden, durch Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich und Deutschland bis nach Kassel.

 
 


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