Pferde oder Esel an einer Kutsche sind gemäß Straßenverkehrsordnung legitime Verkehrsmittel Sie gelten als Fahrzeuge und unterliegen der Straßenverkehrsordnung (StVO). Die Begegnungen mit Pferden und Eseln im Straßenverkehr sind trotz aller Vorschriften eher selten. Doch genau aus diesem Grund ist es wichtig auf die Gefahren bei einer Begegnung hinzuweisen. Die Mitglieder des Arbeitskreises Fahren der VFD sehen hier großen Handlungsbedarf. Hier sollten alle VFD-Mitgleider sei es als Reiter oder Fahrer immer wieder Aufklärungsarbeit leisten. Dabei kann auch der im VFDnet / Downloadbereich kostenlos herunter zu ladende Flyer „Pferde als Verkehrsteilnehmer“ helfen. Dieser kann von den Bezirks- und Ortsverbänden auch gerne mal in den örtlichen Fahrschulen verteilt werden!

In unserer hoch modernisierten Welt wird die Natur sehr zurückgedrängt. Viele Verkehrsteilnehmer wissen daher nicht, wie sie sich bei Begegnungen mit Pferden verhalten sollen.

Nach der StVO ist das Gespannfahren auf Rad- oder Fußwegen verboten. Auch im Wald ist das Kutsche fahren unter Umständen (je nach Bundesland) nicht erlaubt. Aus diesen Gründen müssen sich die Gespannfahrer mit dem normalen Verkehr die Straße teilen. Das Hauptproblem in dieser Situation ist der große Unterschied in der Geschwindigkeit. Dadurch kann manche Situation erst richtig gefährlich werden.

Wenn wir uns bewusst machen dass Pferde in ihrer überwiegenden Geschwindigkeit im Schritt gehen, entspricht das der Geschwindigkeit in verkehrsberuhigten Bereichen - also 3-7 km/h.
Trabt das Gespann, ist es für die Kutschfahrer schon schnell. Doch das Tempo der Pferde liegt zwischen 10 und 15 km/h. Für einen Autofahrer also nicht wirklich schnell, denn er fährt auf Landstraßen zwischen 60 km/h und 100 km/h.
Bei so einem großen Unterschied sind die Gespanne quasi ein „stehendes Hindernis“.

Wichtig ist hier das gegenseitige Verständnis und die angepasste Geschwindigkeit!



Ein typisches Bild: knappes Überholen und Wiedereinscheren vor den Pferden.

Die StVO besagt, dass Fahrzeuglenker immer nur so schnell fahren dürfen, dass in der übersehbaren Situation angehalten werden kann. Wenn der Kraftfahrzeugführer um eine Kurve fährt, muss ihm klar sein,  dass vor ihm jemand fahren kann, der wesentlich langsamer unterwegs ist, z.B. ein Rad- oder Mofafahrer.

Sollten Pferde durch Fremdeinwirkung erschrecken und in Panik davon stürmen (was zum Glück nur sehr selten vorkommt), können sie ein Tempo bis 50 km/h erreichen – dieses Tempo ist dann unkontrolliert, weder lenkbar noch in diesem Moment zu stoppen. Denn auch das bestausgebildete Pferd verliert seinen Fluchtreflex nicht. Auslöser solcher Panikreaktionen können beispielsweise großer Baulärm, zu dichtes Vorbeifahren, schnelles Auffahren, Hupen u.ä. sein.

Allen „Pferde Menschen“ ist das klar, doch nicht den meisten Kraftfahrzeugführern.

„Pferde und Esel im Straßenverkehr“
So gefährlich kann es unter Umständen werden - hier allerdings eine gestellte Situation.

Bei einem Eselgespann kann es allerdings anders auch herum gehen. Wenn sich Esel, erschrecken bleiben sie oft stehen. In diesem Fall heißt es Geduld haben, nicht hupen, laut werden oder Hektik verbreiten. Dadurch wird ein Esel nicht zum Gehen bewegt. Ruhiges Zureden und Vertrauen zum Besitzer dagegen bewirken wahre Wunder.

„Pferde und Esel im Straßenverkehr“
Foto: Andrea Gaertner

Grundsätzlich erschrecken sich die Tiere nicht unbedingt an für uns erkennbaren Dingen. Auslöser können vielmehr „Normalitäten“ sein, wie ein weggeworfenes Stück Papier am Straßenrand, ein Gully-Deckel, eine Jalousie, die herabgelassen wird, ein umgefallener Baum der gestern noch nicht da war oder auch nur ein auffliegender Vogel.

Die Reaktion der Tiere ist leider kaum vorhersehbar und hängt von sehr vielen Faktoren ab, doch sie können zur Seite springen, bocken, ausschlagen, steigen, stehen bleiben oder auch durchgehen.

Ein qualifizierter Gespannfahrer bildet seine Fahrpferde gut aus und bemüht sich immer darum, durch vorausschauendes Fahren solche besonderen und riskanten Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Doch nicht nur die Geschwindigkeit, mit der die Verkehrsteilnehmer unterwegs sind, ist ein Problem. Oftmals ist es auch die individuelle Wahrnehmung.
In Kreuzungsbereichen, beispielsweise beim Linksabbiegen, wird das Gespann von Autofahrern als Abbieger häufig gar nicht erkannt. Das Richtungszeichen, das entweder mit der Winkerkelle oder, wie bei Radfahrern, durch Handzeichen erfolgt, wird häufig als Winken (Grüßen) missverstanden.

Selbst bei einer auf der Kutsche vorhandenen Blink- und Beleuchtungsanlage wird Blinken als Richtungszeichen oft übersehen, da sie an einem solchen Fahrzeug entweder nicht vermutet wird oder die Konzentration des Fahrzeugführers auf den Kutscher gerichtet ist. So entstehen oftmals unnötigerweise  gefährliche Situationen. Sie können nur mit gegenseitiger Rücksicht vermieden werden.

Das Thema Abstand kann nicht oft genug angesprochen werden. Der nötige Sicherheitsabstand wird leider in allen Situationen unterschätzt. Im Zusammenspiel mit hoher Geschwindigkeit kann zu geringer Sicherheitsabstand tödlich sein.

Egal in welche Richtung es um Abstand geht, er ist im richtigen Maß einzuhalten. Nach vorne zu anderen Fahrzeugen ist immer ausreichender Sicherheitsabstand (von 2 Sekunden) einzuhalten. Seitlich ist ein Abstand zu Fahrzeugen von einem Meter und bei Fußgängern und Zweiradfahrern von 1,5 Metern einzuhalten. Allerdings ist zu sagen, dass der seitliche Abstand bei Tieren so groß wie möglich zu halten ist. Pferde oder auch Esel haben lange Beine und wenn sie sich bedroht fühlen, haben sie auch keine Skrupel auszuschlagen. In einem solchen Falle kann ein Meter einfach zu wenig sein um nicht getroffen zu werden.

Auch die Situation, in der ein Kraftfahrzeugfahrer plötzlich vor sich eine Kutsche bemerkt und seine Not hat, sein Fahrzeug herab zu bremsen, kennt vermutlich jeder Kutschfahrer. Wenn es dabei zu einem Auffahrunfall kommen sollte, sitzen Fahrer und Beifahrer der Kutsche auf einem Schleudersitz. Es gibt auf einer Kutsche keine Sicherheitsvorrichtungen für solche Unfälle: keine Gurte, keine Airbags, keinen Integralhelm und keine Knautschzonen. Die an der Kutsche „befestigten Pferde werden im besten Falle mit Durchgehen reagieren.

Laut Statistik gibt es nur sehr wenige Unfälle, in denen ein KFZ und eine Kutsche kollidieren. Der Anteil an Kutschunfällen im Jahr 2012 in Deutschland liegt, gemessen an der Gesamtstatistik aller Verkehrsunfälle, unter 0,05 %. Von 34 Unfällen stehen allerdings 5 Fälle in direktem Zusammenhang mit Kraftfahrzeugen.

Um die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen gehen wir beim AK Fahren innerhalb der VFD nun mehrere Wege:
- Wir bieten eine gute und kompetente Ausbildung für Kutschfahrer und ihre Tiere
- Wir bieten den KFZ-Führern einen fundierten Vortrag über die Gefahren bei Begegnungen mit Tieren
- Wir gehen in die Fahrlehrer Ausbildungsstätten und sensibilisieren Fahrlehrer, damit sie auch die zukünftigen Kraftfahrzeugführer schulen können
- Wir bieten allen Interessierten Schnupper-Kurse an, um einfach mal auch die Seite der Kutschfahrer zu vermitteln.

Zum Abschluss kann ich nur sagen dass es immer wieder schön ist in unserer hektischen Zeit zur Ruhe zu kommen und mit den Tieren die Natur zu genießen. Sie geben die Kraft für den Alltag und ich danke meinen Vierbeinern dafür.

Alle Fotos die nicht anders benannt sind, zeigen das Gespann von Juergen Strache.

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