Am 14. Juli überreichte die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. (VFD) im Rahmen des CHIO in Aachen den „Eisernen Gustav“, einen Preis zur Förderung der Reisekultur zu Pferde in der Kategorie „Wanderreiten“ . Es wurden zwei namhafte Autoren ausgezeichnet, Jean-Louis Gouraud und Stefan Schomann.

Eiserner Gustav

Die Verleihung übernahm Hanno Pilartz, Vizepräsident der VFD. Als Vertreter des VFD-Landesverbandes NRW war Helmut Klebach vor Ort, der bei dieser Gelegenheit die Route D’Artagnan vorstellte, eine internationale Wanderroute auch für Reiter auf den Spuren des berühmten Musketiers.

Ansprache Hanno Pilartz: 
Ich begrüße Sie im Namen der VFD, der Vereinigung der Freizeitreiter und Fahrer Deutschlands.
Wir sind der „grüne“ Verband von Pferdeleuten, und das ist nicht parteipolitisch gemeint, denn wir halten, reiten und fahren unsere Pferde überwiegend draußen in der Natur. Deren Schutz ist uns sehr wichtig. Pferde sind uns Familienmitglied. Unsere Mitglieder finden sich auf Gelände- und Wanderritten, Spaßturnieren und mitunter auch auf grenzüberschreitenden Fernreiseritten, oder als Säumer in den Bergen, und natürlich auf dem Kutschbock!

Es ist uns ein wichtiges Anliegen, unsere Mitglieder hierfür und für alle anderen Aspekte zur fairen Nutzung und naturnahen Haltung von Pferden (die für uns immer stellvertretend für alle Equiden stehen) lebenslang fortzubilden. Vor diesem Hintergrund freuen wir uns sehr, heute den Preis des Eisernen Gustav erstmalig an zwei Literaten im Sattel zu verleihen, die mit ihren Werken vielen Reitern Inspiration, aber auch reichlich an Information rund um die Pferde vermitteln.

Zum Namensgeber: Gustav Hartmann, der Eiserne Gustav oder „Güstave en ferre“ fuhr von Berlin nach Paris als die deutsch-französische Erbfeindschaft 10 Jahre nach dem 1.Weltkrieg noch frisch war. Trotzdem ließ er sich durch eine junge französische Reiterin inspirieren, die er auf ihrem Ritt von Paris nach Moskau in Berlin traf. Wie uns historische Fotos zeigen, ritt die junge Dame übrigens im Damensattel! Der Eiserne Gustav begeisterte seine Landsleute, wie auch die Franzosen an seiner Strecke gleichermaßen.

Lassen Sie mich noch ein paar Worte zum Verhältnis deutscher Wanderreiter zu ihren französischen Nachbarn sagen. Als man vor etwa 40 Jahren kurz nach der Gründung der VFD zaghaft in Deutschland über Wanderritte nachdachte, war „Randonné equestre“ – wie Wanderreiten auf französisch heißt – dort längst schon ein Volkssport. Wie viel haben wir uns in der Anfangszeit des deutschen Wanderreitens von unseren französischen Nachbarn abgeschaut, weil wir selbst noch wenig Erfahrung besaßen? Als ich 1997 erstmals ein Equirando – DAS jährliche Wanderreitertreffen in Frankreich – besuchte, war ich tief beeindruckt.

Aber nun zu unsere Preisträgern:
Jean-Louis Gouraud ist eine hippologische Institution in Frankreich, für die wir unsere Nachbarn maßlos J. L. Gouraud H.Pilartzbeneiden. Wir haben kaum eine vergleichbare Persönlichkeit, am ehesten vielleicht den leider kürzlich verstorbenen Horst Stern. Wie sehr würden wir uns freuen, wenn seine Werke ins Deutsche übersetzt würden. Seine unglaubliche Bandbreite an Interessen zeigt die Tatsache, dass er Redakteur der namhaften Zeitschrift Jeune Afrique war, die ich gut aus meiner Zeit als Entwicklungshelfer im frankophonen Afrika kenne. Unvergessen bleibt sein Ritt von Paris nach Moskau 1990 gleich nach Glasnost. Alle Meriten von Jean-Louis hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen….

Preisträger Stefan SchomannStefan Schomann hat ein zauberhaftes Buch verfasst, welches zeigt, wie gründlich er sich auch in den entfernteren Ecken dieser Welt nach weniger bekannten Reitkulturen umgesehen hat. Mit warmherziger, empathischer Eloquenz schildert er uns seine Blicke hinter die Kulissen. Er ist wahrhaft ein Literat im Sattel, von dem wir noch mehr zu hören hoffen. Dazu soll ihn unser Preis ermutigen!

Zum Schluss noch ein paar Worte zur deutsch-französischen Freundschaft als Kernstück der europäischen und für uns auch der interkontinentalen Völkerverständigung: Ich komme aus der Eifel, einer Region, die wie keine andere unter der jahrhundertelangen deutsch-französischen Feindschaft gelitten hat. Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, daran zu erinnern, dass diese Freundschaft im Vergleich zu den Jahrhunderten der Feindschaft noch sehr jung ist. Sie braucht ständige Erneuerung. Die Präsenz unserer Nachbarn auf dem CHIO und der Preis des Eisernen Gustav für einen Franzosen und einen Deutschen sollen dazu ein Beitrag sein!
Ich danke Ihnen!

Bereits 2012 initiierte die VFD die Rekener Charta "Reiten.Fahren.Grenzenlos". Die Rekener Charta wirbt um Unterstützung für die Erhaltung, Pflege und besondere Wertschätzung der Pferde und für das Grundrecht von Mensch und Pferd auf einen freien Zugang zur Natur. Durch Zustimmung vieler Pferdefreunde und möglichst auch politischer Entscheidungsträger sollen diese Positionen in Deutschland, Europa und weltweit unterstützt werden. Die Charta soll als politisches Signal verstanden werden.

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