Sibylle Wiemer – Trainerin, Pädagogin, Theologin sowie Buch - Autorin empfing uns zum spannenden Thema „Schiefe“.

„Wenn wir die Menschen dem Himmel ein Stück näher bringen wollen, setzen wir sie auf ein Pferd“.

Dieser Einleitungssatz begleitet Sibylle Wiemer ihr ganzes Leben und das ihrer Schüler und treuen Vortragsjunkies.

Sind wir Reiter eigentlich sehr unbelehrbar? Wir geben unser Leben lang unendlich viel Geld aus für folgende Ansagen:

„Absätze tief!“

„Hände still halten!“

„Gerade sitzen!“

„Lang Dein Bein!“

„Kreuz durchdrücken!“

Entweder sind wir zu dumm das umzusetzen oder wir sind nicht in der Lage dazu und somit stellt sich die Frage, ob die Ansagen überhaupt die richtigen sind? Ist dieser Reitersitz das, was wir umsetzen sollen? Was sagen die Alten Meister zum Sitz? Steif, statisch, militärisch?

Die Hintergründe zu diesen Korrekturen kommen aus der Militärzeit. Schnell den Soldaten das Reiten so beizubringen, dass sie Pferde „anwenden“ konnten. Die hatten nicht Jahrzehnte Zeit, das in einer Kunst zu erlernen. Die mussten in den Krieg. Die Pferde wurden von Reitern gut ausgebildet, dass sie auf eine klare Ansage genau gleich reagieren. Und diese Punkte mussten wiederum die Soldaten erlernen. Auch bei Paraden mussten ja alle gleich präsentiert werden. Daher kommt das Ganze und hat sich leider etabliert. Die alten Meister sind eher im harmonischen Miteinander. Mitgehen in der Bewegung, das Pferd „raus lassen“, lange Zeit der Ausbildung.

Seit einigen Jahren kommen wir in der biomechanischen Reitlehre wieder zurück zu den klassischen Gesichtspunkten des Reitersitzes. Es ist ja kein Sitzen, sondern ein mitgehen – mitschwingen.

Ja. Wir erinnern uns. Ein Pferd ist nicht zum Tragen des Menschen geschaffen worden. Über die Gesunderhaltung des Reitpferdes haben wir in einem anderen Vortrag bereits viele Informationen erhalten.

Deshalb ist die Schiefe ein wichtiger Punkt. Wir üben in der Ausbildung des Pferdes an der Geraderichtung und gleichmäßiger Bemuskelung und beidseitiger Gymnastik, aber an unsere Schiefe – kein Gedanke!

Pferde spiegeln uns und geben häufig auch Ihre natürliche Schiefe auf, um sich unserer Schiefe anzunehmen. Sehr spannend. Viele Trainer können das im Laufe Ihrer Betreuung sehen.

Also was ist leichter zu „bekämpfen“? Die eigene Schiefe oder die des Pferdes. Fangen wir doch einfach mal bei uns selbst an.

Der Satz: „Herrje… Frau Wiemer… ich bin aber so schief….“ Erzeugt kein Mitleid. Antwortsatz: „Na und? Das sind wir zum Glück alle, sonst wären wir behindert.“

Warum ist das so? Alle Wirbeltiere sind schief. Wir gehören dazu. Egal ob Hund, Katze, Pferd, Leopard, Salamander, Mensch… alle sind asymmetrisch. Dazu kommt, dass ein natürlicher Reflex des Körpers bei Angst ist, sich in Kauerstellung zu begeben, um sich zu schützen. Viele Reiter haben Angst und dann zieht der Körper von sich aus die Knie nach oben. Sehr kontraproduktiv beim Reiten. Allein dieser Umstand, den wir ganz natürlich körperlich alle mitbringen, soll unterdrückt werden.

Nun finden sich somit 2 in sich natürlich schiefe Kreaturen und sollen ein geradegerichtetes harmonisches losgelassenes Paar abgeben. Wir Reiter sind ganz schön leidensfähig und idealistisch. Ein hohes Ziel, das viel Übung, Disziplin, Geduld, Schweiß, Kraft und Schmerzen kostet. Doch bei Erreichen des Ziels, nämlich eine Einheit mit seinem Partner Pferd zu bilden, ist all die Qual vergessen. Der Moment der Verschmelzung lässt alle Reiter immer wieder gerne von vorne starten.

Also…. wir sind uns einig, dass der Prozess seiner Schiefe auf die Schliche zu kommen nichts ist was kurzfristig ausgelöscht werden kann. Das dauert sehr lange. Monate und Jahre und eiserne Disziplin das Leben lang. Gutes Körpergefühl und Reflektionsfähigkeit sind dazu nötig.

Viele tolle Übungen – ganz ohne Pferd – haben uns gezeigt, dass große Gelenke aber auch kleine blockieren, Muskeln, egal wo verkrampfen, wir Ausgleichsbewegungen machen und lauter Verdrehungen, die etwas ausgleichen wollen. Unser Gehirn ist sehr schlau. Gute Trainer können das analysieren und genaue Lösungen bieten. Wer dies fleißig täglich – vor allem vor dem Reiten – übt, kommt seinem Ziel näher.

Was viele dabei erleben, ist, dass Sie erstmal Gast im eigenen Körper sind. Weil sich alles anders anfühlt. Wir müssen neu erlernen, was real ist. Viele denken, sie sitzen mittig, aber sie sitzen ganz weit rechts. Setzt man sie mittig aufs Pferd, denken sie, dass sie links runterfallen und wie „Quasimodo“ auf dem Pferd sitzen. Der Blick in den Spiegel lässt uns dann erstaunen. Jetzt wäre es gerade. Merke Dir das! Übe das. Kontrolliere Dich! Dein Gehirn gibt Dir andere Informationen! Auch eine wichtige Information in der modernen Zeit: Ist die Reithose weit genug um die Beckenbewegungen zuzulassen? Falsche Eitelkeit solle nicht dazu führen die modischen Ideale vor die Eignung zu setzen.

Wir durften also alle turnen und erleben, was wir fühlen. Sibylle Wiemer führte uns durch einen Workshop-Vortrag, der es in sich hatte. Ihr neues Buch ist voll von tollen Übungen!

Es gibt also keine Ausreden. Erstmal bei uns selbst anfangen. Jeder Reiter ist in der Eigenverantwortung sich selbst auf Vordermann zu bringen bevor er auf sein Pferd steigt.

Übungen zu seinen speziellen Förderungen wissen gute Trainer. Diese Übungen sollten stets vor dem Reiten zum warm machen abgeleistet werden. Eine gute Balance und Körperwahrnehmung sollten Grundvoraussetzung sein.

Dann dürfen wir uns um die Schiefe des Pferdes kümmern… wenn sie noch da ist. Vielleicht ist diese ja bereits schon besser geworden. Ach ja… Schief ist normal! Wichtig ist es zu optimieren. Nur den Fokus darauf zu legen raubt den Spaß. Und den braucht unser Pferd mit uns.

Reitergymnastik, Sitzschulung, Körperreisen…. bei Trainern des Vertrauens. Empfehlungen für Trainer gerne über Sibylle Wiemer. Sie weis wo jeweils vor Ort die Spezialisten sitzen.

Das neue Buch (Sitzschulung für Reiter) ist sehr empfehlenswert und kommt demnächst auf den Markt. Über Pferdia-TV bereits vorzubestellen. http://www.pferdia.de/neuheiten/in-vorbereitung/sitzschulung-fur-reiter.html

Bericht von Michaela Hohlstein, Kreisverbandsvorsitzende Bamberg

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