Was für ein Highlight. Uli Deuber, bekannter Sattler und Trainer stellte sein Wissen dem VFD KV Bamberg zur Verfügung. Dank Astrid Büchel und Markus Möller, die uns Ihre Anlage auf Gut Leimershof zur Verfügung stellten, konnten wir unseren Mitgliedern wieder ein echtes Schmankerl anbieten.

Annika Bauer, Nina Fuchs und Ronja Hohlstein vom Pferdepartner Franken e.V. stellten sich als „Versuchskaninchen“ zur Verfügung. Die Pferde Odin und Djammyma zeigten sich relaxed von Ihrer besten Seite, trotz Lautsprecher und Publikum.

Bei Nina wurde eindrucksvoll aufgezeigt wie die Schiefe und Angespanntheit des Reiters sich auf die Bewegung des Pferdes auswirkt und was für Veränderungen am Reiter sich positiv auf das Pferd auswirken. Spannung raus nehmen… Sitz verändern und schon läuft das Pferd locker flockig seine Übungen.

Annika durfte am Balimo (Übungsstuhl von E.M.) die 3 dimensionale Bewegung spüren, die das Pferd macht und dieser dann wieder auf dem Pferd folgen. Es lief danach wie geschmiert…. Vorher war es eher ein „anschieben“ wollen des Pferdes und somit nicht im Gleichklang. Von außen zu sehen, dass die Beiden nicht miteinander arbeiteten. Nach dem Balimo-Erlebnis konnte Annika sich schön in Odin rein setzen und sich mitnehmen lassen.

Ronja zeigte von Anfang an ein harmonisches „im Pferd sitzen“ und der Bewegung des Pferdes folgen und somit schöne Durchlässigkeit für die Hilfen. Das Treiben kam zum richtigen Zeitpunkt und die Zuschauer waren erstaunt, mit wie wenig Hilfen das Pferd ganz einfach zu „lenken“ war. Ersichtlich war aber, dass Odin für Ronja zu breit war und Ihr das Becken ziemlich spreizte. Somit saß Sie nicht optimal für die treibenden Schenkelhilfen und musste die Fußspitze weiter nach außen drehen. Auf einem schmaleren Pferd würde das anders aussehen. Für Reitlehrer ein wichtiger Tipp! Die Reiter können in diesem Moment überhaupt nicht anders. Ihre Körperlichkeit gibt es gar nicht anders her.

Nina durfte nach einer Pause nun nochmal das Tempowechselspiel demonstrieren und nur durch kleine Bewegungsablaufänderungen Ihrer Körperlichkeit ließ sich die sensible Djammyma wie mit Joystick steuern. Da wurden noch nicht mal Schenkel eingesetzt.

Was haben wir also gelernt:

Das Pferd kann eigentlich alles. Wir dürfen es nicht nur nicht behindern, sondern sollten möglichst alles dafür tun es zu unterstützen und dann zum richtigen Zeitpunkt auch die richtigen Hilfen geben.

Wenn der Reiter über seinem Schwerpunkt im Gleichgewicht ist, nimmt das Pferd den Reiter auch wahr und streckt sich ab und wird durchlässig.

Wir müssen nicht nur nach vorne und hinten Gerade sein, sondern auch nach rechts und links, denn die Pferde sind super sensibel auf Gewichtsstörungen. Für korrekte Gewichtshilfe ist ein ausbalanciertes Reitergewicht unerlässlich.

Das Pferd geht eine dreidimensionale Achterschlaufe. Der Reiter sollte sich passiv vom Pferd bewegen lassen. Oft schiebt der Reiter aktiv zweidimensional und arbeitet quasi kontraproduktiv auf dem Pferd statt im Pferd zu sitzen und den Schwung des Pferdes mitzunehmen.

Knieschluss macht das Becken „zu“. Ebenso Fußspitzen zum Pferd. Die Hüfte dreht sich ein und blockiert diese. Absätze tief ist auch oft falsch verstanden und blockiert das Becken. Die Absätze sollen locker nach unten federn. Ein losgelöstes Folgen der Bewegung ist mit den ganzen Blockaden nicht mehr möglich.

Was heißt denn „Kreuz anspannen“? Das hat mit Rückenmuskeln nämlich nichts zu tun. Bauchmuskeln sind hier das Zauberwort! Die müssen aktiv sein und dann kommt die Aufrichtung.

Häufig rennt das Pferd unter dem Reiter weg weil er hinter der Bewegung ist. Also auch wenn das Tempo zum langsam machen drängt, hilft es erstmal sich vor die Bewegung zu setzen und dann mit aktivem Einwirken des verlangsamten Aufstehens und der Bauchmuskeln das Pferd vermehrt untertreten zu lassen und es so zu animieren sich zu runden und rhythmisch und schwingend zu laufen.

Auf dem Zirkel wirken die Zentrifugalkräfte. Das kennen wir alle aus dem Karussell. Der Bügeltritt innen hilft den Zirkel zu verkleinern und der Bügeltritt außen um ihn zu vergrößern. Das ist wichtig, denn oft ist dadurch der Zügel überflüssig. Gebe ich allerdings für die Innenbiegung den äußeren Zügel nicht nach, dann wird sich das Pferd verwerfen „müssen“, denn ihm fehlt der Zügel für die Biegung. Immer daran denken, dem Pferd Raum zu geben.

Die treibenden Hilfen kommen also durch den Rhythmus und die Bauchmuskeln. Des Weiteren natürlich mit den Schenkeln und zwar genau genommen mit den Waden. Damit diese an den Pferdebauch kommen müssen sich die Kniegelenke abknicken. Das Treiben ist also keine Waden-, sondern eine Kniebewegung. Die wiederum kommt aus der Oberschenkelunterseitenmuskulatur und muss optimal schnell beweglich sein um nicht zu spät zu kommen. Da ist Timing das A und O. Treibt der Schenkel nicht exakt in der richtigen halben Sekunde, ist es für das Pferd nicht mehr verständlich.

So z.B. wenn das Pferd mehr untertreten soll muss der Schenkel das Hinterbein beim abfußen erwischen… also wenn es den Boden verlässt, bis es auf der Höhe ist wo es wieder Richtung Boden geht – über dem höchsten Punkt in der Luft also… dann wird das Pferd vermehrt untertreten. Erwische ich es zu spät – also nach dem höchsten Punkt, zwar immer noch in der Luft aber Richtung abfußen, dann wird genau das Gegenteil passieren und das Pferd wird schneller also verkürzter abfußen. Timing und Körperbeherrschung ist also die halbe Miete wenn nicht mehr.

Wichtige Muskeln, die locker flockig schnell funktionieren müssen und im Alltag wenig verwendet werden sind die Bauchmuskeln und die hintere Oberschenkelmuskulatur. Darüber sollten sich alle Reiter im Klaren sein und sich nur selbst fit warmgeturnt auf Ihr Pferd setzen. Bevor ich von meinem Pferd tolle Leistungen erwarte, sollte ich also prüfen, ob ich selbst dazu überhaupt in der Lage bin. Sitzschulungen sind nicht umsonst im Angebot sondern unterstützen die tolle Arbeit, die wir mit unserem Partner Pferd täglich umsetzen wollen.

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