Der VFD-Arbeitskreis Umwelt befasst sich schon seit vielen Jahren mit den Gräsergiften. Neue Studie bestätigt die Ergebnisse der jahrelangen Beobachtung der Biologin  Dr. Renate Vanselow zum Thema „Gifte in Gräsern“.

Am 31. März 2020 veröffentlichte das Wissenschafts-Journal microorganisms den Artikel „Endophyten-Infektionsrate und Alkaloid-Gehalt in handelsüblichen Grassaatmischungen in Europe“, einer internationalen Wissenschaftlergruppe um Professor Dr. Jochen Krauss, Leiter des Lehrstuhls für Tierökologie und Tropenbiologie an der Universität Würzburg.
Von 24 untersuchten Saatgutproben wurden von drei unabhängigen Laboren in sechs Proben Pilzgifte nachgewiesen (25 %), in vier sogar in einer Konzentration, die teilweise weit über den Grenzwerten liegen, die für Pferde zulässig sind. 15 Prozent sind demnach mit gesundheitsschädigenden Pilzgiften (Endophyten) extrem stark belastet! Darunter befinden sich laut Studie u.a. Saatgutmischungen der Firmen Raiffeisen, Rudloff und UFA. Die eher zufällige Auswahl der Proben lässt vermuten, dass auch Saatmischungen anderer Hersteller und Anbieter betroffen sein dürften.
Umso bedenklicher ist es, dass sich unter den besonders betroffenen Grasmischungen auch solche befinden, die von den Anbietern extra für Pferdeweiden empfohlen werden! Die Studie warnt vor allem vor Weide-Grasmischungen, die Deutsches Weidelgras enthalten und appelliert an die Hersteller, ihre Produkte auf Endopyhtenbelastung hin zu untersuchen, bevor sie in den Handel gelangen und ihre Kunden über mögliche Belastungen zu informieren.
Krauss, J.; Vikuk, V.; Young, CA; Krischke, M.; Mueller, MJ; Baerenfaller, K. Epichloë Endophyteninfektionsraten und Alkaloidgehalt in kommerziell erhältlichen Grassamenmischungen in Europa. Microorganisms 2020 , 8 , 498. LINK

Die Biologin Dr. Vanselow war in der Vergangenheit selbst in Wissenschaftskreisen wegen ihrer Theorien zu Pilzgiften in Gräsern häufig kritisiert  worden und das Thema wurde lange Zeit „unter den Teppich gekehrt“. Mit der Veröffentlichung ihres Buches „Pferd und Grasland“  hat sie im letzten Jahr eine Lawine losgetreten, die offenbar nicht mehr aufzuhalten ist.

Zur Erinnerung: Trockenheit, starke Temperaturwechsel, Überweidung bedeuten Stress für die Pflanzen auf unseren Koppeln. Besonders nach den letzten beiden Sommer sollte man besonders achtsam mit seinem Grasland sein. Wenn Pferde diese giftigen Gräser fressen, können je nach Giftmenge u.a. Hufrehe und Stoffwechsel-Entgleisungen die Folge sein, möglicherweise bis hin zu tödlichen Vergiftungsfällen (Weidemyopathie). 

Quellen:
Agrobiodiversität: Genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren
Kranke Pferde durch giftige Gräser?
VFD Handbuch Pferd&Heu - neu überarbeitete Auflage
Studie: "Infection Rates and Alkaloid Patterns of Different Grass Species Epichloe Endophytes": Studie6.52 MB
Studie: "Endophyte Toxins in Grass an other Feed Feed Sources": download3.22 MB
https://www.starke-pferde.com/aktuelles/
https://www.cavallo.de/medizin/gift-im-weide-gras/

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