Klima- und Artenschutz sind für mich gesamtgesellschaftliche Aufgaben, bei deren Bewältigung jeder gefordert ist und sich niemand ausklinken kann. Ganz besonders nicht die Politik. Denn nur sie allein kann für alle verbindliche Regelungen schaffen. Soll es in Deutschland und in den Kommunen einen gesellschaftlichen "Klimavertrag" geben, muss dieser - ob wir wollen oder nicht - durch das "Nadelöhr Politik". Im Moment scheint das Nadelöhr noch zu klein zu sein. Mein Standpunkt: "Wenn von oben nichts kommt, dann fangen wir unten eben schon mal an."

Bei den Pferdefreunden Straubing steht der Arten- und Klimaschutz ganz weit oben. Vor gut zwei Jahren haben wir begonnen, alle betrieblichen Entscheidungen danach auszurichten, ob sie dem Arten- und Klimaschutz nützen. Täglich sammeln wir so Erfahrungen, die wir über das "Netzwerk Pferd" auch anderen Pferdehaltern und -betrieben zur Verfügung stellen. Was viele nicht wissen: Mit Pferdehaltung kann man mehr für den Klima- und Artenschutz tun als man denkt. Und es wird Zeit, dass wir Pferdehalter uns hier mehr engagieren. Denn der Klimawandel betrifft auch uns und unsere Pferdehaltung.

Was tun wir bei den Pferdefreunden Straubing, worüber auch andere Pferdehalter nachdenken könnten:

  1. Wir füttern unseren Pferden nur Altheu von weitestgehend ungedüngten Wiesen. Dieses Heu beziehen wir von Landwirten aus der Region, die als Ausgleich für das Heu ihrer ertragsschwachen Wiesen eine Abnahmegarantie und einen höheren Preis erhalten. Meistens handelt es sich um Wiesen, die für die Artenvielfalt extrem wertvoll sind.
  2. Auf unseren Weiden wird nicht gemäht oder gemulcht. Was die Pferde nicht abgefressen haben, bleibt über den Winter stehen und bildet so einen Unterschlupf für zahlreiche Insekten. Da Pferde selektiv fressen, entstehen auf den Weiden Bereiche mit unterschiedlich hohem Bewuchs, was einer natürlichen Umgebung am nächsten und wiederum der Artenvielfalt zugute kommt.
  3. Da auf den Weiden nicht gemäht oder gemulcht wird, können Gräser und Kräuter blühen und Samen bilden. Damit steigt die Vielfalt unterschiedlicher Gräser und Kräuter, was wiederum die Lebensräume für andere Arten erweitert.
  4. Pferdemist ist für uns ein überaus wertvoller Dünger und bei richtiger Kompostierung ein ausgezeichneter Humuslieferant. Hier werden wir uns in Zukunft noch wesentlich stärker engagieren: Im Humus ist Kohlenstoff gebunden. Das hilft Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre zu binden. Für uns ist das ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel.
  5. Ein Misthaufen ist Lebensraum für zahlreiche Insekten, Pilze und Mikroorganismen. Chemische Rückstände im Mist schädigen diesen Lebensraum. Wir achten darauf, dass unsere Pferde möglichst wenig Chemie erhalten, die über den Pferdemist ausgeschieden wird. Durch die Umstellung des Betriebs auf die Selektive Entwurmung haben wir zuletzt über 80 % der Entwurmungsmittel eingespart.
  6. Wir versuchen unsere Stallungen schwalbenfreundlich zu gestalten. Schwalben sind bei uns willkommen, denn sie sind Glücksbringer und halten überdies die lästigen Insekten im Stall in Schach. Bei Trockenheit halten wir auf den Paddocks Lehmstellen dauerhaft feucht, damit die Schwalben genügend Material für den Nestbau finden. Durch unser naturnahes Weidemanagement und den offenen Misthaufen ist das Nahrungsangebot für Schwalben deutlich verbessert.
  7. Im nächsten Jahr werden wir auf der Südseite unserer Reithalle auf 40 Meter Länge Bereiche mit Fassadenbegrünung, offenen Bodenstellen, Steinhaufen und Stapel mit Totholz schaffen. Bereiche, in denen wir Totholz oder Laub liegen lassen, gibt es auf unserer Anlage bereits heute.
  8. Im nächsten Jahr werden wir ein heikles Thema angehen: Die Reduzierung von Chemie bei der Pferdepflege. Wir werden z.B. den Nutzen von Schweif- und Mähnensprays hinterfragen. Wir gehen davon aus, dass die Gesundheitsgefahren für die Pferde sowie die schädliche Wirkung auf die Umwelt, in keinem vernüftigen Verhältnis zum Nutzen dieser Produkte steht.
  9. Wir haben in diesem Jahr die Ausweisung unserer Paddock- und Weideflächen als Sondergebiet für Weidehaltung beantragt. Wir möchten die gesamten Fläche im Sinne des Artenschutzes umbauen und vermehrt Hecken und Sträucher anlegen. Der Stadtrat Straubing hat diesem Antrag bereits zugestimmt.
  10. Wir denken darüber nach - ähnlich wie es auch der Deutsche Alpenverein für seine Mitglieder beschlossen hat - in unserem Betrieb einen Klimabeitrag einzuführen. Das ist natürlich erklärungsbedürftig. Noch ist es nur eine Idee. Aber was spricht dagegen, mit den Einnahmen aus einem solchen Klimabeitrag beispielsweise die Kosten für den Öffentlichen Nahverkehr zu übernehmen, wenn der Pferdebesitzer statt mit dem Auto mit dem Bus in den Stall fährt. Oder regionale Ökobetriebe zu unterstützen, indem wir Einkaufsgutscheine für deren Hofläden erwerben und diese an unsere Pferdebesitzer weitergeben. Der gezahlte Klimabeitrag fließt so wieder - nun in einer klimaverträglichen Form - an den Pferdebesitzer zurück.

Autor: Georg Niedermeier (VFD-Treff Pferdefreunde Straubing)

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