Eine Bachelorarbeit von Lisa-Marie Ludolph.

Auch im VFDnet konnte man sich an der Umfrage beiteiligen. Hier das Ergebnis:

Bericht zur Bachelorarbeit „Was wissen Freizeitreiter über die allgemeine Pferdegesundheit? – Brauchen wir einen Pferdeführerschein?“

Lisa-Marie Ludolph, HFWU Nürtingen- Geislingen, BA. S. Pferdewirtschaft

Einleitung

Mensch und Pferd leben seid tausenden von Jahren zusammen. Der Mensch nimmt seither Einfluss auf das Pferd und seine Verwendung (Mills; McDonnell, 2005).

Ab den 70er Jahren wurde das Pferd vermehrt als Sport- und Freizeitpartner entdeckt (Pirkelmann, 2002).

Freizeitreiter sind Personen, die sich mit dem Erhalt des Wohlbefindens, der Gesundheit sowie der Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd beschäftigen (Keßler et. al. 2006). Charakteristisch für Freizeitreiter ist auch der Spaß am Umgang mit dem Pferd sowie die ausgeprägte Tierliebe (Ilkinger et al. 2013).

Es stimmt jedoch nachdenklich, dass 80% Prozent der Pferde unter Atemwegsproblemen leiden (Zeitler-Feicht, 2010) und ihre durchschnittliche Nutzungsdauer bei 5,5 Jahren liegt (Butler, Armbruster, 1984).

Meine Bachelorarbeit soll das Wissen der Freizeitreiter im Bereich der Pferdegesundheit aufzeigen, um einen Überblick zu bekommen, in welchen Bereichen Defizite vorliegen. Des Weiteren wurde geprüft, ob es sinnvoll ist einen Pferdeführerschein einzuführen. Zu dieser Fragestellung liegen meines Wissens noch keine Erhebungen vor. Neben dem starken persönlichen Interesse war dies ein entscheidender Grund, warum ich meine Bachelorarbeit zu diesem Thema geschrieben habe.

Um das Wissen der Freizeitreiter einzuschätzen, wurde ein Fragebogen entwickelt, der online zu beantworten war. Neben den demographischen Daten wurden verschiedene Themenblöcke abgefragt: Hufe, Kolik, Impfung und Entwurmung, PAT- Werte, Haltung und Pferdefütterung.

Die befragten Personen wurden ebenfalls um eine Selbsteinschätzung über ihr Wissen gebeten. Nach dem Vorhandensein des Basispasses wurde gefragt.

Ergebnisse

Mit 43,97 Prozent war die Altersklasse der befragten Personen von 21 bis 30 Jahren dominierend. Bei der Selbsteinschätzung lagen die Noten zwei und drei mit rund 40 Prozent im Vordergrund.

Positive Ergebnisse konnten bei den Fragen nach der Definition einer Kolik und der Zeitperiode des Schmiedes erzielt werden. Den Begriff der Kolik konnten 99 Prozent richtig beantworten, die Frage nach der Schmiedperiode 97 Prozent. Eine hohe Fehlerquote gab es bei der Frage nach den auslösenden Faktoren einer Hufrehe, 40 Prozent gaben noch die veraltete Lehrmeinung an, dass ein hoher Eiweißgehalt im Futter der Auslöser sei. Bei der Frage nach der Körpertemperatur eines Pferdes im Ruhezustand gaben 77 Prozent falsche Antworten.

Auch die Frage nach der Boxengröße war problematisch (Abb. 1). Nur 48,87 Prozent konnten die richtige Größenangabe tätigen. Aufgrund der Tatsache, dass viele Personen zu kleine Maße angegeben haben, könnte man folgern, dass über die Hälfte unserer Pferde in zu kleinen Boxen gehalten werden. Jedoch ist hier zuzufügen, dass eine ergänzende Fragestellung zur Größe von Offen- oder Bewegungsställen sinnvoll gewesen wäre.

 

Grafik 1 BAchelorarbeit LudolphAbbildung 1: Formel der Boxengröße

Die Frage nach dem Raufutterbedarf konnten nur 56,21 Prozent richtig beantworten (Abb. 2). Auch hier stellt sich die erschreckende Frage, werden über 40 Prozent der Pferde falsch gefüttert?

Grafik 2 BAchelorarbeit Ludolph

Abbildung 2: Raufutterbedarf eines 600kg schweren Pferdes

Die Gesamtauswertung der Umfrage hat ergeben, dass der Basispass einen signifikanten Einfluss auf die korrekte Beantwortung der Fragen hat.

Diskussion

Wie kommt es jedoch zu solchen Ergebnissen? Der Freizeitreiter, beschrieben als dem Wohl am des Pferdes orientierten Menschen hat solche Wissenslücken? Ist es Desinteresse? Oder vertraut der Freizeitreiter auf das Wissen der Pferdehalter? Die Gründe hierfür konnte meine Bachelorarbeit nicht ermitteln. Über die Gründe und Ursachen nachzudenken ist sicherlich sinnvoll.

Die Notwendigkeit der Aufklärungsarbeit über bestimmte Themengebiete, damit das Durchschnittsalter der Reitpferde sich nicht verschlechtert sowie Stereotypien verringert werden können, ist deutlich geworden.

Jemand, der regelmäßig die PAT-Werte und die Vitalzeichen seines Pferdes kontrolliert, wird schneller und genauer die Abweichungen vom Normalzustand erkennen und eine gezieltere und effektivere Gesundheitsvorsorge leisten können (Sestric; Coates-Markle, 1996). Ein Gesundheitsmanagement, den Bedürfnissen des Pferdes entsprechend, welches die physische und psychische Gesundheit einbezieht ist notwendig.

Pferdehalter sind oftmals nicht in der Lage, aufgrund von großen Wissenslücken, Verhaltensauffälligkeiten und Krankheiten richtig einzuschätzen. Gezieltere Informationen könnten dazu beitragen, die Gefahren einer Situation besser abzuwägen und richtig zu handeln.

Das Tierschutzgesetz, die ethischen Grundsätze des Pferdefreundes der FN und die VFD Leitsätze bieten gute Vorgaben und Richtwerte, an denen sich Menschen, die sich mit dem Lebewesen Pferd beschäftigen, orientieren können. Die artgerechte Haltung, psychische und physische Gesundheit sowie die harmonische Kommunikation wird in allen Schriften gewünscht. Vielfältige Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen stehen zur Verfügung. Die Verantwortung, sich über das Lebewesen Pferd zu informieren, liegt bei der Person selbst.

Ein Pferdeführerschein ist ein Eingriff in die Entscheidungsfreiheit des Menschen, andererseits ist das Pferd mit seinem Gewicht und der Muskelkraft dem Menschen an körperlicher Stärke um ein Vielfaches überlegen. Schon kleine Missverständnisse können schwere Unfälle hervorrufen. Diese müssen nicht nur Pferd und Reiter, sondern können auch Dritte Personen im Umfeld oder im Straßenverkehr betreffen. Die Verantwortung sich für einen harmonischen, gesundheitsfördernden und unfallfreien Umgang mit dem Pferd dementsprechend aus- und fortzubilden, sollte im Interesse der Freizeitreiter und ihrer Pferden sein. Die Möglichkeiten, wie das notwendige Wissen an die Pferdebesitzer und Reiter intensiv und umfassend vermittelt werden kann, sollte auch in der FN und ihren Anschluss- und Partnerverbänden diskutiert werden.

Meiner Meinung nach ist ein Pferdeführerschein sinnvoll. Die Ergebnisse über den positiven Einfluss des Besitzes eines Basispasses auf das Wissen der befragten Freizeitreiter legen nahe, dass ein Pferdeführerschein für die Pferde mit Sicherheit positive Auswirklungen hätte. Zu diskutieren ist jedoch, ob ein solcher Pferdeführerschein eine Fluktuation im Reitsport auslösen würde und Konsequenzen auf die Reitsportindustrie hätte.

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