Was in den USA in vielen Bundesstaaten unter dem Begriff “Mounted search and rescue” (MSAR) seit über fünfzig
Jahren schon gang und gäbe ist, findet seit der Jahrtausendwende bei uns in Deutschland auch immer mehr
Verbreitung: Rund 100 berittene Sanitäter verschiedenster Hilfsorganisationen wie der Johanniter-Unfall-Hilfe oder des
Deutschen Rotes Kreuzes sind bundesweit organisiert und unterwegs um in verschiedensten Einsätzen zu helfen.
Da die Sanitätsreiterstaffeln in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind, lag es für uns nahe die 2006 gegründete
Reiterstaffel des 5. Einsatzzuges des Deutschen Roten Kreuzes - Region Hannover e.V. zu einem Themenabend am 10.
Januar 2015 in die Gaststätte “Sporthof Stelingen” einzuladen. Diese setzt sich insgesamt aus einem Rettungssanitäter,
10 Sanitätshelfern und drei Ersthelfern zusammen, welche allesamt aktive Reiter sind. Hinzu kommen drei nicht reitende
Sanitätshelfer, neun fertig ausgebildete Einsatzpferde und vier Pferde die sich zur Zeit in der Ausbildung befinden.
Bemerkenswert ist es, dass alle über fünf Ställe im Südwesten der Region verteilten Pferde sich in Privatbesitz befinden
und somit quasi “ehrenamtlich” im Einsatz sind. Frau Susanne Meier als Leiterin der Reiterstaffel erläuterte uns zu
Beginn des Vortrags die Entstehungsgeschichte: Im März 2005 entstand die Reiterstaffel rein zufällig, als das Mitglied
Jörg Beismann des Vorstands des Pferdesportverbands Hannover e.V. und der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter
Christian Niemüller vom Deutschen Roten Kreuz zusammensaßen, als plötzlich Unterstützung bei der Suche nach einer
vermissten Person angefordert wurde. Umgehend verständigte man sich darauf, dass vier Reiter die bereits
eingesetzten Suchtrupps in ihrer Arbeit sofort unterstützen sollten. Nach dem Einsatz entstand hieraus mit
Gründungsdatum am 01. Mai 2006 eine bundesweit einzigartige Kooperation zwischen zwei Organisationen wie sie
beide nicht verschiedener sein könnten. Die zentrale Aufgabe ist bis heute der sogenannte “Sanitätsdienst”, welcher zur
Absicherung von Veranstaltungen wie Marathonläufen oder dem Einsatz in stark von Touristen frequentierten
Naturschutzgebieten wie der Lüneburger Heide dient. Dabei wird ähnlich wie bei Polizeireitern Streife geritten, auch um
im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit das Deutsche Rote Kreuz zu repräsentieren. Ein großer Vorteil ist es laut Susanne
Meier, dass vor allem bei Massenveranstaltungen die Pferde eine deeskalierende sowie kontaktfördernde Wirkung auf
andere Menschen haben und speziell in der freien Natur nicht als Störfaktor wahrgenommen werden. Im Gegensatz zu
einem Geländewagen oder Quad werden laut ihr die behuften Lastenträger stets als Teil der jeweiligen Landschaft
wahrgenommen. Nicht nur das, auch die Geländegängigkeit, Ausdauer, eine erhöhte Sitzposition mit einhergehender
verbesserter Rundumsicht, Schnelligkeit und nicht zuletzt ihre Flexibilität ermöglicht es den Reitern während der
Einsätze häufig noch vor Eintreffen eines Rettungswagens erste Hilfe zu leisten. Im Gegensatz zu Rettungshunden,
welche nach einer halben Stunde eine Pause machen müssen beweist ein Pferd eine deutliche längere Ausdauer.
Interessant ist es auch, dass Pferde Menschen förmlich “aufspüren” können - schon einige Male wies der richtige
Riecher in schwer überblickbaren Situationen zum Beispiel in Richtung von Gebüschen wo sich bewusstlose Personen
befanden. Ausgestattet sind die Reiter mit je einer Packtasche pro Team vollgepackt mit Erste-Hilfe-Sets, medizinischem
Gerät und sowie Notfallrucksäcken. Grundsätzlich durchläuft jedes Mitglied der Reiterstaffel eine mehrwöchige
Sanitätsausbildung, teilweise lassen sich einige auch zum Rettungssanitäter ausbilden.
Hinsichtlich der Ausbildung von Pferd und Reiter wurde uns erklärt, dass die Mitglieder in der Regel “breitensportlich
orientierte Pferdesportler” sind, aber auch einige Distanzreiter sind mit von der Partie. Durch die bereits erwähnte
Kooperation durchläuft jeder Reiter die Ausbildungsskala der FN ausgehend vom “Basispass Pferdekunde” über den
Berittführer bis hin zum Trainerassistent. Es sind Pferde aller Rassen vertreten, grundlegende Voraussetzung ist es
hierbei dass das Pferd belastbar sein muss im Hinblick auf die häufigen spontanen und stressigen Einsätze. Viele
Vierbeiner entwickeln über die Zeit hinweg ein Gespür für Notfallsituationen in dem sie beispielsweise bei solchen stehen
bleiben und sich von der Hektik nicht anstecken lassen. Der Ablauf der Ausbildung geschieht in Anlehnung an
Polizeipferde: Gelassenheitsprüfung (GHP), Verladetraining und die Gewöhnung an Alltagsgegenstände sowie den
Straßenverkehr gehören dazu wie auch regelmäßige Orientierungsritte im Rahmen von sogenannten Übungsdiensten.
Insbesondere wird auf eine Gewöhnung an Rettungsdecken, Flaggen und Fackeln mitsamt Feuer hingehend trainiert.
Ein Einsatz oder Training beansprucht nicht nur deshalb im Schnitt ein bis zwei Stunden Vor- sowie Nachbereitungszeit.
Mehr Informationen über die Reiterstaffel und ihre Arbeit unter: http://drkhannover.org/fachdienste/reiterstaffel/
Text: Klaas Hinrich Radewaldt
Fotos: Annette Höpken20150110 201759 0004 klein 3

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