Seit drei Jahren haben wir nun die Pferde am Haus und ich denke, wir haben es langsam ganz gut im Griff. Dennoch war da immer der Wunsch etwas dazu zu lernen oder sich bestätigt zu fühlen.

Aber irgendwie gab es meist nur spezielle Kurse, ich wollte gerne einen Art Lehrgang oder vielleicht ein Praktikum machen, alles nicht so leicht. Bis ich auf der Internetseite des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie den Veranstaltungsplan für 2014 durchstöberte. Und so meldete ich mich für den Sachkundelehrgang Pferdehaltung an.

Fast ein Jahr Wartezeit, aber ich hatte Glück und bekam einen ( wie ich später mitbekam ) heiß begehrten Platz. Es gab sogar Teilnehmer aus Passau!

Festgesetzt waren zwei Wochenenden mit anschließender Prüfung.

Als die Einladung kam und ich die Inhalte las, dachte ich bei mir, man das scheint ganz schön viel zu sein für vier Tage.

Ich kann nur sagen, hätte ich gewusst, was da auf uns zu kommt, evtl. hätte ich es mir überlegt. Allerdings hätte ich dann vier anstrengende, wunderbare, interessante und spannende Tage verpasst und ich bin froh, nicht gekniffen zu haben.

Der erste Tag startete um 8:30 im wunderbaren Hauptgestüt Graditz bei Torgau an der Elbe. Allein die Anlage ist eine Reise wert.

Nach der Vorstellung ging es gleich los. Dr. Matthias Karwath brachte uns die Evolution und Domestikation des Pferdes nahe, danach referierte er über gesetzliche Grundlagen der Pferdehaltung und die Organisation von Pferdezucht und Pferdesport. Wir lernten Tierschutzgesetz, Hufbeschlaggesetz, Tierzuchtgesetz oder auch EU-Tiertransportverordnung kennen. Und gingen auf die wichtigen Leitlinien  ein.  Auf sehr lebendige Art erzählte er sehr anschaulich auch manch trockenen Stoff. Behördliche Einrichtungen und auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung wurden erklärt.

Danach ging es gleich weiter, Frau Dr. Evelin Ullrich ( sie organisiert diesen Kurs und betreute uns die ganze Zeit ) klärte uns anschaulich über Giftpflanzen auf. 

Dann ging es nochmal mit Dr. Karwath in die Tiefen der Pferdezucht. Hier wurde ganz deutlich dargelegt, das der Wunsch nach einem eigenen Fohlen, doch sehr durchdacht werden solle und wir lernten die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Zuchtarbeit. Im Anschluß wurde ein Pferd unter den strengen Richtlinien der Zucht betrachtet und bewertet.

Mir gefiel besonders, das hier mit allem Verständnis für den Wunsch nach einem eigenen Fohlen, dennoch klar gemacht wurde, worauf es in der Pferdezucht ankommt und wir lernten Dinge wie Selektion und Zuchtwertschätzung.

Danach ging Hr. Uwe Hörügel von der Tierseuchenkasse auf die Aufgaben der TSK ein und erklärte uns Anzeige- und meldepflichtige Seuchen, Krankheiten und Infektionskrankheiten. Ebenso ging es um die selektive Entwurmung.

Einen großen Bereich nahm die Anatomie und Physiologie ein. Fr. Dr. Ullrich brachte dies sehr anschaulich dar und mit Ihrer offenen Art brachte sie uns mit manchen Beispielen sehr zum Lachen. Wir lernten das Bewegungssystem ( Skelett, Muskulatur, Huf ), das Eingeweidesystem (Atmungsapparat, Verdauungssystem), das Kreislaufsystem und das Steuer- und Regelungssystem des Pferdes kennen.

Hier stand uns Faschingszauber hilfreich zur Seite.20140927 111025

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Ihr Sohn, Herr Marc Ullrich vom Institut für Tierhygiene und Tierärztin Janina Pospiech erklärten auf angenehme Weise das Pferdeverhalten und die hieraus resultierenden Konsequenzen für unseren Umgang mit unseren Tieren.Öffentliches Veterinärwesen brachte uns die Anforderungen an die Pferdehaltung bei. Wir lernten grundlegende Eigenschaften des Pferdes und Anforderungen an seine Umwelt, Pferdehaltung gestern und heute, Haltungsformen, Stall- und Weideeinrichtung kennen und hatten hier sehr angeregte Diskusionen.

Wenn Ihr nun denkt, dass das erste Wochenende schon lange rum war...mitnichten!!!

Artgerechte Pferdefütterung lernten wir von Dr. Filip Bertier. Hier ging es um Besonderheiten der Verdauung beim Pferd, Komponenten in Pferdefutterrationen, Anforderungen an Futtermittel für Pferde und Berechnungen für Futterrationen. Und ich kann nur sagen, es war eines unserer lebhaftesten Referate.

So ging das erste Kurswochenende dann zu Ende und alle fuhren mit vielen Wortknäulen und einer sehr dicken Arbeitsmappe nach Hause. (nur mal zum Zeitverständnis: Freitag 8:30 bis 18:00 Uhr mit anschließender gemütlicher Runde zum Kennenlernen und Austauschen, Samstag 8:00 bis 16:30 Uhr )

Vierzehntage später ging es dann weiter. Wir starteten mit " Ökonomie in pferdehalten

den Betrieben ", Referentin war Frau Katrin Diener. Hierin ging es um Produktionsverfahren in Pferdebetrieben, Grundlagen der Betriebszweigabrechnung, Kalkulationswerte für einzelne Produktionsverfahren der Pferdehaltung,   Betriebskonzept / Marketing und wie wirtschaftlich ist die Pferdehaltung in Sachsen. Gleich zu Beginn rauchte uns der Kopf, war das ganze doch sehr theoretisch und vom Umfang fast ein Seminar für sich.

Von der Theorie zur Praxis ging es mit unserem Referenten Dr. Gerhard Riehl. Er referierte sehr anschaulich über die optimale Grünlandbewirtschaftung und Weide für Pferde.  Wir lernten was eine Weide ist, Anforderungen an Pferdeweiden, Grünlandbewirtschaftung, auftretende Probleme, geeignete Pflanzenbestände, Kräuter und Gräser, sprachen nochmal über Giftpflanzen. Lernten Zeigerpflanzen und entsprechende Gegenmaßnahmen kennen, hörten gespannt zu bei Themen wie Weideformen, Pflege der Weiden und Düngung.IMG 3243

Zur besseren Veranschaulichung liefen wir dann über die herrlichen Weiden des Gestütes und ließen uns viele Gräser zeigen, lernten hier Gräser zu bestimmen und Kräuter oder Giftpflanzen zu erkennen. Zwischen den herrlichen Pferden über die Weiden zu laufen und dabei noch etwas lernen zu können begeisterte alle.

Viel zu schnell ging der Zeitplan weiter und wir lernten bei Frau Dr. Ullrich "Erste Hilfe am Pferd", zunächst in der Theorie, später am Patient Pferd. Es war genug Zeit, jeder  kam ein, zweimal dran, gutes Zeitmanagement.

Zum Kurs gehörte auch ein Referat über Haftungssystem, Gesetzeslage und nötige Versicherungen im Pferdebereich. Frau Frohburg von der R + V erklärte anschaulich alles Nötige.

Frau Dr. Ullrich nahm sich des Themas "Funktionelle Anatomie - Sattelkunde" an. Hier ging es um anatomische Besonderheiten des Pferdes, Statik und Dynamik des Bewegungsapparates, um Sattel und Passform und im Anschluss wurde praktisch alles am Pferd erklärt. Hier wurden wir fachlich vom Sattlermeister Schipler aus Sangerhausen informiert.

Nicht zu vergessen, dass uns durch das Gestüt Graditz und deren Mitarbeiter noch Verladetechnik, Longierarbeit und sehr interessant, Beurteilung eines Pferdes nach den Zuchtleitlinien vorgestellt wurde. Eine Führung rund um und durch das wunderbare Anwesen mit Einblick in die Jä

hrlingsställe sowie Bewunderung der herrlichen Kutschen des Gestütes rundeten das Ganze ab. 

Samstagnachmittag kam die Stunde der Wahrheit und wir mussten, in zwei Gruppen aufgeteilt, in die praktischen Prüfungen und danach direkt zur schriftlichen Prüfung.

Nach langem Warten und Zittern kam dann die erlösende Information: "Alle Teilnehmer haben bestanden!!!"

Nun haben wir nicht nur den Sachkundenachweis Pferdehaltung, sondern auch noch wunderbare Menschen kennengelernt, die alle die Liebe zum Partner Pferd verbindet. Mittlerweile haben sich schon die ersten getroffen und es wird sich regelmäßig ausgetauscht.

Ich kann nur jedem empfehlen, diesen Kurs mit zu machen, ob Prüfung oder nicht. Denn sie ist keine Pflicht.

Ich möchte mich bei der Organisatorin, Frau Dr. Ullrich, und ihren Referenten, sowie bei der Gestütsleitung und ihren Mitarbeitern bedanken und im Besonderen bei den vierbeinigen Helfern für diesen Kurs. Denn ohne die herrlichen Pferde, die uns mal mit mehr oder weniger Geduld ertragen haben, hätten wir die viele Theorie wohl schwieriger verdaut...

Autor: Nicole Zepezauer

Fotos: Dr. Evelin Ullrich

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