Dat Johr geiht to end..                                                                              Moormerland, 24.12.2019

Ein volles VFD- Jahr geht zu Ende. Während ich soeben vor meinem Haus den Weihnachtsmann gesichtet habe (kein Scherz!) möchte ich mir noch einen Moment Zeit nehmen um zurück zu blicken.

Vor gut einem Jahr ist im Vorstand des Bezirksverbandes die Entscheidung gereift den Weg in die Selbstständigkeit zu beschreiten. Während uns der Rahmen des Landesverbandes in den ersten Jahren Sicherheit und Orientierung gegeben hat, wurde er zuletzt immer häufiger zu eng für einen Bezirk der kontinuierlich gewachsen und voran gegangen ist.

Gleichzeitig wurde mir die Arbeit als Vorsitzende zunehmend schwer und ich stellte mir die Frage, ob es nicht an der Zeit wäre, dass ich mein Amt an einen Nachfolger/ eine Nachfolgerin übergebe. Es brauchte Veränderung so viel wurde mir zunehmend klar.

Wenn ich nun im Dezember 2019 zurückblicke was sich daraus entwickelt hat, bin ich zu tiefst beeindruckt. Und auch wenn es sich „nur“ um einen kleinen Verein handelt zeigt es mir was wir Menschen bewegen können wenn wir zusammen stehen und uns gegenseitig unterstützen.

Dabei könnte man auf den ersten Blick sich sicherlich fragen was denn an diesem Vereinsjahr so besonders gewesen sein soll. Wir hatten Themenabende und Kurse die überwiegend gelungen waren – wie bisher in jedem Jahr. Es gibt einige neue Mitglieder und auch ein paar die sich von uns verabschiedet haben- wie bisher in jedem Jahr. Wir durften Fehler machen, Versäumnisse eingestehen wie in jedem Jahr. Es gab noch nicht mal eine besondere Großveranstaltung wie vor Jahren das Landesreiterlager oder unser Pferdefestival. Woher kommt also der Eindruck ein ganz besonderes Vereinsjahr geht zu Ende?

Ist es der gelungene Schritt in die Selbstständigkeit? Nach längerem Nachdenken ist dies eher ein nach außen sichtbares Ergebnis dessen was dieses Jahr so besonders gemacht hat. Was ist es was in mir ein neues Feuer für diesen Dienst in der VFD Ostfriesland ausgelöst hat? Und so mein Eindruck auch im gesamten Vorstand neue Energien geweckt hat?

Das hier was anders ist, wurde mir insbesondere im Austausch auf Landes- und Bundesebene deutlich. In vielen Bezirken hängt das Vereinsleben an ein paar wenigen einzelnen Personen, die vielfach über Überlastung, mangelnde Unterstützung oder auch geringes Interesse an den Veranstaltungen und fehlende Wertschätzung klagen. Wie übrigens auch in vielen Vereinen anderer Sparten.

Als ich auf der Weihnachtsfeier 2018 meinen Posten zur Verfügung gestellt habe, war es mir damit sehr ernst. Gleichzeitig hat es wohl niemanden überrascht, dass sich nicht gleich jemand gemeldet hat diesen Posten übernehmen zu wollen. An dieser Stelle haben wir genau die gleichen Themen wie in so ziemlich jeden Verein. Dem Besonderen kommen wir auf die Spur, wenn wir betrachten was stattdessen geschah: Noch während der Weihnachtsfeier wurde unter den Mitgliedern diskutiert was getan werden könnte. Gleich mehrere Mitglieder regten ein Treffen an, um Unterstützungsmöglichkeiten für den Vorstand zu entwickeln. Aus diesem Treffen heraus konnten einige Aufgaben auf weitere Schultern verteilt werden und es wurde eine Arbeitsgruppe zur Erarbeitung des Weges in die Selbstständigkeit gegründet. Veranstaltungen werden vermehrt von Mitgliedern mit beworben und gemeinsam getragen. Bei der obligatorischen Themenabfrage fürs nächste Jahr haben wir Seitenweise vollgeschriebene Liste mit tollen Ideen bekommen. Referenten treten von sich aus mit Themenvorschlägen und Kursideen an uns heran und das auch vermehrt aus den eigenen Reihen. Aus dem „ihr“ ist ein „wir“ geworden. Erstmalig fand in Ostfriesland eine Rittführerausbildung statt aus der tolle Diskussionen hervor gegangen sind die das Knowhow im Verband erweitern. Und bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung im November wurde einstimmig der Weg in die Selbstständigkeit beschlossen, der neue Vorstand einstimmig gewählt und gleich 6 Beauftragte ernannt. Noch im Dezember fand ein Treffen mit dem neuen Vorstand und den Beauftragten statt, bei dem erste Ideen für die zukünftige Zusammenarbeit entwickelt wurden. Dort wurde für mich spürbar was schon lange meine Überzeugung ist:

Wenn jeder das tun kann was seinen Stärken und Interessen entspricht wird es für alle leicht und doch kann Großes bewegt werden.

Ich habe den Eindruck meine Rolle und auch die des gesamten Vorstandes hat sich verändert. Waren wir im letzten Jahr das Zugpferd vor einem zunehmend schwerer werdenden Karren, so werden wir inzwischen von einer Starken Gemeinschaft getragen. Kein Wunder also das die Vereinsarbeit wieder leicht geworden ist und Freude bereitet, sondern die logische Folge einer starken Gemeinschaft in der sich möglichst viele verantwortlich fühlen.

Ich wünsche mir, dass möglichst viele von euch für sich einen guten Platz in dieser Gemeinschaft finden (egal ob Mitglied oder nicht) und wir so immer bunter und vielfältiger werden. Die Pferde leben uns vor (wenn wir sie lassen) wie eine große Gemeinschaft funktionieren und den Einzelnen bereichern kann. Wie jedes Mitglied der „Herde“ seinen Platz hat und dort für die Gemeinschaft wichtig ist. Und sie zeigen uns auch, dass es nicht um hierarchische Strukturen geht in denen einer alles bestimmt (ich glaub solche absurden Gedanken gibt es nur bei der Spezies Mensch), sondern um ein differenziertes Netzwerk, in dem jeder einbringt was er besonders gut kann, man sich gegenseitig unterstützt, begrenzt, schützt und ermutigt.

Lasst uns weiter von und für unsere(n) Pferde(n) lernen und uns vor allem an den vielen kleinen Begegnungen in unserer Gemeinschaft freuen!

In diesem Sinne wünsche ich allen Mitgliedern und Freunden der VFD Ostfriesland e.V. ein frohes und ruhiges Weihnachtsfest und ein buntes Jahr 2020. Und vielleicht lässt sich ja noch der ein oder andere anstecken von dem Licht, dem Feuer der Begeisterung ein Teil dieser Gemeinschaft sein zu dürfen…man de tied steckt een Lücht an in die…

Im Namen des gesamten Vorstandes

Tanja Michel

( 1. Vorsitzende VFD Ostfriesland e.V.)

Hier der Link zu meinem Ohrwurm, auch wenn es ein bisschen kitschig ist…

https://www.facebook.com/NJOY.de/videos/der-norden-singt-dat-johr-geiht-to-enn/531853280628740/

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