Aber die Haftpflichtversicherung schließt gebissloses Reiten ausdrücklich ein?! Na was denn nun?
Nach unserem ersten Rittführer Treffen in Niedersachsen ist die Dikussion neu entbrannt - noch einmal erklärt Hajo Seifert hier die Sachlage

Die private Tierhalterhaftpflichtversicherung versichert Schäden an Dritten, die sich aus der tiertypischen Gefahr heraus realisieren. Tiertypische Gefahr ist zum Beispiel das Erschrecken eines Pferdes, oder auch das Ausschlagen.

Andere Schäden, die zum Beispiel aus reiterlichem Fehlverhalten oder reiterlichem Unvermögen entstehen können, sind mit dieser Versicherung grundsätzlich NICHT abgedeckt. Es handelt sich also um KEINE Versicherung für alle denkbaren Haftpflichtfälle, etwa ähnlich einer Privathaftpflicht- oder Kfz-Haftpflichtversicherung! Das ist bei allen Anbietern von privaten Tierhalterhaftpflichtversicherungen gleich.

Tiertypische Gefahr hat aber nichts mit mit der Zäumung des Pferdes zu tun, oder auch mit der Frage, ob mit oder ohne Sattel geritten wurde! Ein Pferd erschrickt eben zum Beispiel vor Geräuschen, egal ob ich mit Bändele, mit Trensenzäumung, oder mit schärfster Kandarrenzäumung reite!

Deswegen ist diese Aussage der Versicherungsunternehmen, dass sie auch das Reiten mit gebissloser Zäumung versichern, für den "normalen" Reiter irreführend. Hier wird nämlich tatsächlich der Eindruck erweckt, dass alle Schäden versichert sind, selbst wenn mit gebissloser Zäumung geritten wird! Dem ist aber nicht so, sondern wie oben ausgeführt eben nur Schäden, die durch tiertypisches Verhalten entstanden sind. Auf die Art der Zäumung oder der sonstigen Ausrüstung kommt es dabei überhaupt nicht an!

Allerdings .... sollte in einem Gerichtsverfahren festgestellt werden, dass der Reiter dadurch grob fahrlässig gehandelt hat, dass er mit gebissloser Zäumung geritten ist (z.B. weil ein Richter im konkreten Einzelfall der Meinung ist, dass zumindest ein Teil des Schadens bei herkömmlicher Zäumung mit Gebiss durch bessere Einwirkungsmöglichkeit vermeidbar gewesen wäre), dann ist die Versicherung nach § 26 Versicherungsvertragsgesetz gegebenenfalls berechtigt ihre Leistung in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers entsprechenden Verhältnis zu kürzen!!!!

Bei all diesen Diskussionen wird auch leider immer die strafrechtliche Seite außer Acht gelassen! Kommt es neben den zivilrechtlichen Ansprüchen (Schadenersatz, Schmerzensgeld etc.) zu einem Strafverfahren (z.B. wegen Körperverletzung etc), dann hilft vor dem Staatsanwalt keine Versicherung mehr! Noch nicht mal bezüglich der Prozesskosten!

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