Die Bilder vom Ritt der Annika Schleu im modernen Fünfkampf waren nicht nur unschön, sondern sie regen auch zu einer intensiven Auseinandersetzung an. Sicherlich sind die Emotionen und die Anspannung in der vorherrschenden Situation hoch, die Reaktionen daraus aber fatal.

Frau Klimke hat es sehr gut beschrieben. Die Reiter der deutschen Pferdeequipe haben Jahre gebraucht, um mit ihren Tieren zu Partnern zu werden. Die Fünfkämpfer haben 20 Minuten - mit einem zugelosten Pferd.  

Ein Verband, der solche Regeln beschließt, zeigt damit nicht nur fehlende Empathie gegenüber den beteiligten Pferden und Reitern, sondern auch mangelnde Kompetenz im Umgang mit Equiden. 

Aber die Frage geht weiter. Wo waren die Richter? Warum wurde dem hilflosen Schauspiel nicht offiziell ein Ende gesetzt. Es ist ein Leichtes, auf die Reiterin und die Trainerin einzuprügeln, waren sie ja der sichtbare Beweis für dieses Desaster, neben dem Pferd natürlich, dem man die Überforderung und die Panik von der ersten Minute an ansehen konnte. 

Ja, das war kein Heldenstück, das Reiterin Schleu und Trainerin Raisner abgeliefert haben. Emotionale Anspannung hin oder her. Die Verantwortung für das Tier lag in dieser Situation in Ihrer Hand.

Aber auch die Verantwortung, eine mögliche Goldmedaille vielleicht leichtfertig abzugeben. In dieser Situation hätte sicher niemand mit ihnen tauschen wollen.

Die Aufarbeitung ist nun zwingend notwendig, zumal auch schon die vorherige Reiterin des Pferdes Saint Boy Probleme hatte, den Parcours harmonisch zu reiten.

Wie kann dieser Sport mit einem Maximum an Tierwohl weiter ausgeführt werden? Wo muss ein Richter eingreifen? Wie können Pferd und Reiter zusammen besser und vor allen Dingen länger auf die Prüfung vorbereitet werden? 

Eine der Hauptforderungen wäre, die Beurteilung von Schmerz- und Stresszeichen eines Pferdes bereits in die Bewertung der Wettkampftauglichkeit einzubeziehen und als letztendliche Konsequenz diese für eine schnelle und tiergerechte Lösung, z.B. Ausschluss des Pferdes für den Wettbewerb, heranzuziehen.

Sich auf eine vier Jahresregel in den Statuten zurückzuziehen ist die falsche Antwort des Verbandes für modernen Fünfkampf . Dazu ist die Situation zu prekär und viel zu tief in der Öffentlichkeit

Ein sinnvolles und zeitnahes Nachbessern des zuständigen Verbandes im Sinne eines nachhaltigen Tierwohles ist in dieser Situation der einzig richtige und gangbare Weg. 

Auch wenn das Verhalten der Damen Raisner und Schleu durchaus zu sanktionieren ist, eine reine Hexenjagd löst das Problem nicht!  

Für den VFD Fachbeirat Ethik und Tierschutz

Heiner Sauter

*Eingangsfoto Pixabay

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